Quelle
Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen
Bern, Mai 1905.
Annalen der Physik (4) 17, 549–560 (1905).
[p. 556]§ 4. Über die ungeordnete Bewegung von in einer Flüssigkeit suspendierten Teilchen und deren Beziehung zur Diffusion.
[p. 556]Wir gehen nun dazu über, die ungeordneten Bewegungen genauer zu untersuchen, welche, von der Molekularbewegung der Wärme hervorgerufen, Anlaß zu der im letzten Paragraphen untersuchten Diffusion geben.
Explained in From a step law to a density law
[p. 556]Es muß offenbar angenommen werden, daß jedes einzelne Teilchen eine Bewegung ausführe, welche unabhängig ist von der Bewegung aller anderen Teilchen; es werden auch die Bewegungen eines und desselben Teilchens in verschiedenen Zeitintervallen als voneinander unabhängige Vorgänge aufzufassen sein, solange wir diese Zeitintervalle nicht zu klein gewählt denken.
Explained in Why the square grows with time
[p. 556]Wir führen ein Zeitintervall in die Betrachtung ein, welches sehr klein sei gegen die beobachtbaren Zeitintervalle, aber doch so groß, daß die in zwei aufeinanderfolgenden Zeitintervallen von einem Teilchen ausgeführten Bewegungen als voneinander unabhängige Ereignisse aufzufassen sind.
Explained in Why the square grows with time and From a step law to a density law
[p. 556]Seien nun in einer Flüssigkeit im ganzen suspendierte Teilchen vorhanden. In einem Zeitintervall werden sich die -Koordinaten der einzelnen Teilchen um vergrößern, wobei für jedes Teilchen einen anderen (positiven oder negativen) Wert hat. Es wird für ein gewisses Häufigkeitsgesetz gelten; die Anzahl der Teilchen, welche in dem Zeitintervall eine Verschiebung erfahren, welche zwischen und liegt, wird durch eine Gleichung von der FormParticle countJump densityDisplacement in one intervalExplain this equation ausdrückbar sein, wobeiJump densityDisplacement in one intervalExplain this equation und nur für sehr kleine Werte von von Null verschieden ist und die BedingungJump densityDisplacement in one intervalExplain this equation erfüllt.
Explained in From a step law to a density law
[p. 557]Wir untersuchen nun, wie der Diffusionskoeffizient von abhängt, wobei wir uns wieder auf den Fall beschränken, daß die Anzahl der Teilchen pro Volumeneinheit nur von und abhängt.
Explained in From a step law to a density law
[pp. 557–558]Es sei die Anzahl der Teilchen pro Volumeneinheit, wir berechnen die Verteilung der Teilchen zur Zeit aus deren Verteilung zur Zeit . Aus der Definition der Funktion ergibt sich leicht die Anzahl der Teilchen, welche sich zur Zeit zwischen zwei zur -Achse senkrechten Ebenen mit den Abszissen und befinden. Man erhält:Number densityTimeStep intervalDisplacement in one intervalJump densityExplain this equation Nun können wir aber, da sehr klein ist, setzen:Number densityTimeStep intervalExplain this equation Ferner entwickeln wir nach Potenzen von :Number densityDisplacement in one intervalTimeExplain this equation Diese Entwicklung können wir unter dem Integral vornehmen, da zu letzterem nur sehr kleine Werte von etwas beitragen. Wir erhalten:Number densityTimeStep intervalJump densityDisplacement in one intervalExplain this equation Auf der rechten Seite verschwindet wegen das zweite, vierte etc. Glied, während von dem ersten, dritten, fünften etc. Gliede jedes folgende gegen das vorhergehende sehr klein ist. Wir erhalten aus dieser Gleichung, indem wir berücksichtigen, daßJump densityDisplacement in one intervalExplain this equation und indem wirStep intervalDisplacement in one intervalJump densityDiffusion coefficientExplain this equation setzen und nur das erste und dritte Glied der rechten Seite berücksichtigen:Number densityTimeDiffusion coefficientExplain this equation
Explained in From a step law to a density law
[p. 558]Dies ist die bekannte Differentialgleichung der Diffusion, und man erkennt, daß der Diffusionskoeffizient ist.
Explained in From a step law to a density law
[p. 558]An diese Entwicklung läßt sich noch eine wichtige Überlegung anknüpfen. Wir haben angenommen, daß die einzelnen Teilchen alle auf dasselbe Koordinatensystem bezogen seien. Dies ist jedoch nicht nötig, da die Bewegungen der einzelnen Teilchen voneinander unabhängig sind. Wir wollen nun die Bewegung jedes Teilchens auf ein Koordinatensystem beziehen, dessen Ursprung mit der Lage des Schwerpunktes des betreffenden Teilchens zur Zeit zusammenfällt, mit dem Unterschiede, daß jetzt die Anzahl der Teilchen bedeutet, deren -Koordinaten von der Zeit bis zur Zeit um eine Größe gewachsen ist, welche zwischen und liegt. Auch in diesem Falle ändert sich also die Funktion gemäß Gleichung (1). Ferner muß offenbar für und Number densityTimeParticle countExplain this equation sein. Das Problem, welches mit dem Problem der Diffusion von einem Punkte aus (unter Vernachlässigung der Wechselwirkung der diffundierenden Teilchen) übereinstimmt, ist nun mathematisch vollkommen bestimmt; seine Lösung ist:Number densityTimeParticle countDiffusion coefficientExplain this equation
Explained in What the spreading curve predicts
[pp. 558–559]Die Häufigkeitsverteilung der in einer beliebigen Zeit erfolgten Lagenänderungen ist also dieselbe wie die der zufälligen Fehler, was zu vermuten war. Von Bedeutung aber ist, wie die Konstante im Exponenten mit dem Diffusionskoeffizienten zusammenhängt. Wir berechnen nun mit Hilfe dieser Gleichung die Verrückung in Richtung der -Achse, welche ein Teilchen im Mittel erfährt, oder — genauer ausgedrückt — die Wurzel aus dem arithmetischen Mittel der Quadrate der Verrückungen in Richtung der -Achse; es ist:Coordinate RMS displacementMean-square displacement (one dimension)Diffusion coefficientObservation intervalExplain this equation
Explained in What the spreading curve predicts and Zero average is not no movement
[p. 559]Die mittlere Verschiebung ist also proportional der Quadratwurzel aus der Zeit. Man kann leicht zeigen, daß die Wurzel aus dem Mittelwert der Quadrate der Gesamtverschiebungen der Teilchen den Wert besitzt.
Explained in Why the square grows with time and Zero average is not no movement
