Quelle
Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt
Bern, den 17. März 1905.
Annalen der Physik (4) 17, 132–148 (1905).
[p. 133]§ 1. Über eine die Theorie der „schwarzen Strahlung“ betreffende Schwierigkeit.
[pp. 133–134]Wir stellen uns zunächst auf den Standpunkt der Maxwellschen Theorie und Elektronentheorie und betrachten folgenden Fall. In einem von vollkommen reflektierenden Wänden eingeschlossenen Raumes befinde sich eine Anzahl Gasmoleküle und Elektronen, welche freibeweglich sind und aufeinander konservative Kräfte ausüben, wenn sie einander sehr nahe kommen, d. h. miteinander wie Gasmoleküle nach der kinetischen Gastheorie zusammenstoßen können.[1)] Eine Anzahl Elektronen sei ferner an voneinander weit entfernte Punkte des Raumes gekettet durch nach diesen Punkten gerichtete, den Elongationen proportionale Kräfte. Auch diese Elektronen sollen mit den freien Molekülen und Elektronen in konservative Wechselwirkung treten, wenn ihnen letztere sehr nahe kommen. Wir nennen die an Raumpunkte geketteten Elektronen „Resonatoren“; sie senden elektromagnetische Wellen bestimmter Periode aus und absorbieren solche.
Explained in A finite window cannot cure an infinite total
[p. 134]Nach der gegenwärtigen Ansicht über die Entstehung des Lichtes müßte die Strahlung im betrachteten Raume, welche unter Zugrundelegung der Maxwellschen Theorie für den Fall des dynamischen Gleichgewichtes gefunden wird, mit der „schwarzen Strahlung“ identisch sein — wenigstens wenn Resonatoren aller in Betracht zu ziehenden Frequenzen als vorhanden angesehen werden.
Explained in A finite window cannot cure an infinite total
[pp. 134–135]Wir sehen vorläufig von der von den Resonatoren emittierten und absorbierten Strahlung ab und fragen nach der der Wechselwirkung (den Zusammenstößen) von Molekülen und Elektronen entsprechenden Bedingung für das dynamische Gleichgewicht. Die kinetische Gastheorie liefert für letzteres die Bedingung, daß die mittlere lebendige Kraft eines Resonatorelektrons gleich der mittleren kinetischen Energie der fortschreitenden Bewegung eines Gasmoleküles sein muß. Zerlegen wir die Bewegung des Resonatorelektrons in drei aufeinander senkrechte Schwingungsbewegungen, so finden wir für den Mittelwert der Energie einer solchen geradlinigen SchwingungsbewegungMean resonator energyGas constantAvogadro's numberTemperature of the radiationExplain this equation wobei die absolute Gaskonstante, die Anzahl der „wirklichen Moleküle“ in einem Grammäquivalent und die absolute Temperatur bedeutet. Die Energie ist nämlich wegen der Gleichheit der zeitlichen Mittelwerte von kinetischer und potentieller Energie des Resonators mal so groß wie die lebendige Kraft eines freien, einatomigen Gasmoleküles. Würde nun durch irgend eine Ursache — in unserem Falle durch Strahlungsvorgänge — bewirkt, daß die Energie eines Resonators einen größeren oder kleineren zeitlichen Mittelwert als besitzt, so würden die Zusammenstöße mit den freien Elektronen und Molekülen zu einer im Mittel von Null verschiedenen Energieabgabe an das Gas bez. Energieaufnahme von dem Gas führen. Es ist also in dem von uns betrachteten Falle dynamisches Gleichgewicht nur dann möglich, wenn jeder Resonator die mittlere Energie besitzt.
Explained in A finite window cannot cure an infinite total
[p. 135]Eine ähnliche Überlegung machen wir jetzt bezüglich der Wechselwirkung der Resonatoren und der im Raume vorhandenen Strahlung. Hr. Planck hat für diesen Fall die Bedingung des dynamischen Gleichgewichtes abgeleitet[1)] unter der Voraussetzung, daß die Strahlung als ein denkbar ungeordnetster Prozeß[2)] betrachtet werden kann. Er fand:Mean resonator energy at a given frequencySpeed of lightFrequency of the lightSpectral energy densityExplain this equation ist hierbei die mittlere Energie eines Resonators von der Eigenfrequenz (pro Schwingungskomponente), die Lichtgeschwindigkeit, die Frequenz und die Energie pro Volumeinheit desjenigen Teiles der Strahlung, dessen Schwingungszahl zwischen und liegt.
Explained in A finite window cannot cure an infinite total
[p. 136]Soll die Strahlungsenergie von der Frequenz nicht beständig im Ganzen weder vermindert noch vermehrt werden, so muß gelten:Gas constantAvogadro's numberTemperature of the radiationMean resonator energyMean resonator energy at a given frequencySpeed of lightFrequency of the lightSpectral energy densityExplain this equationSpectral energy densityGas constantAvogadro's numberFrequency of the lightSpeed of lightTemperature of the radiationExplain this equation Diese als Bedingung des dynamischen Gleichgewichtes gefundene Beziehung entbehrt nicht nur der Übereinstimmung mit der Erfahrung, sondern sie besagt auch, daß in unserem Bilde von einer bestimmten Energieverteilung zwischen Äther und Materie nicht die Rede sein kann. Je weiter nämlich der Schwingungszahlenbereich der Resonatoren gewählt wird, desto größer wird die Strahlungsenergie des Raumes, und wir erhalten in der GrenzeSpectral energy densityFrequency of the lightGas constantAvogadro's numberSpeed of lightTemperature of the radiationExplain this equation
Explained in A finite window cannot cure an infinite total
Fußnoten
- 1) Diese Annahme ist gleichbedeutend mit der Voraussetzung, daß die mittleren kinetischen Energien von Gasmolekülen und Elektronen bei Temperaturgleichgewicht einander gleich seien. Mit Hilfe letzterer Voraussetzung hat Hr. Drude bekanntlich das Verhältnis von thermischem und elektrischem Leitungsvermögen der Metalle auf theoretischem Wege abgeleitet. ↩
Explained in Two assumptions under the equilibrium of section 1
- 1) M. Planck, Ann. d. Phys. 1. p. 99. 1900. ↩
Explained in A finite window cannot cure an infinite total
- 2) Diese Voraussetzung läßt sich folgendermaßen formulieren. Wir entwickeln die -Komponente der elektrischen Kraft in einem beliebigen Punkte des betreffenden Raumes zwischen den Zeitgrenzen und (wobei eine relativ zu allen in Betracht zu ziehenden Schwingungsdauern sehr große Zeit bedeute) in eine Fouriersche ReiheRadiation electric fieldFrequency of the lightFourier amplitudeElapsed timeLong averaging intervalFourier phaseExplain this equation wobei und . Denkt man sich in demselben Raumpunkte eine solche Entwickelung beliebig oft bei zufällig gewählten Anfangspunkten der Zeit ausgeführt, so wird man für die Größen und verschiedene Wertsysteme erhalten. Es existieren dann für die Häufigkeit der verschiedenen Wertekombinationen der Größen und (statistische) Wahrscheinlichkeiten von der Form:Probability of the Fourier valuesFourier amplitudeFourier amplitudeFourier phaseFourier phaseExplain this equation Die Strahlung ist dann eine denkbar ungeordnetste, wennFourier amplitudeFourier amplitudeFourier phaseFourier phaseExplain this equation d. h. wenn die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Wertes einer der Größen bez. von den Werten, welche die anderen Größen bez. besitzen, unabhängig ist. Mit je größerer Annäherung die Bedingung erfüllt ist, daß die einzelnen Paare von Größen und von Emissions- und Absorptionsprozessen besonderer Resonatorengruppen abhängen, mit desto größerer Annäherung wird also in dem von uns betrachteten Falle die Strahlung als eine „denkbar ungeordnetste“ anzusehen sein. ↩
Explained in Two assumptions under the equilibrium of section 1
