Quelle

Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt

von A. Einstein

Annalen der Physik (4) 17, 132–148 (1905).

[p. 132]
Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt;
[p. 132]
von A. Einstein.

[p. 140]§ 5. Molekulartheoretische Untersuchung der Abhängigkeit der Entropie von Gasen und verdünnten Lösungen vom Volumen.

[p. 140]Bei Berechnung der Entropie auf molekulartheoretischem Wege wird häufig das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in einer Bedeutung angewendet, die sich nicht mit der Definition der Wahrscheinlichkeit deckt, wie sie in der Wahrscheinlichkeitsrechnung gegeben wird. Insbesondere werden die „Fälle gleicher Wahrscheinlichkeit“ häufig hypothetisch festgesetzt in Fällen, wo die angewendeten theoretischen Bilder bestimmt genug sind, um statt jener hypothetischen Festsetzung eine Deduktion zu geben. Ich will in einer besonderen Arbeit zeigen, daß man bei Betrachtungen über thermische Vorgänge mit der sogenannten „statistischen Wahrscheinlichkeit“ vollkommen auskommt und hoffe dadurch eine logische Schwierigkeit zu beseitigen, welche der Durchführung des Boltzmannschen Prinzips noch im Wege steht. Hier aber soll nur dessen allgemeine Formulierung und dessen Anwendung auf ganz spezielle Fälle gegeben werden.

Explained in Which probability the entropy uses

[pp. 140–141]Wenn es einen Sinn hat, von der Wahrscheinlichkeit eines Zustandes eines Systems zu reden, wenn ferner jede Entropiezunahme als ein Übergang zu einem wahrscheinlicheren Zustande aufgefaßt werden kann, so ist die Entropie S1S_1 eines Systems eine Funktion der Wahrscheinlichkeit W1W_1 seines momentanen Zustandes. Liegen also zwei nicht miteinander in Wechselwirkung stehende Systeme S1S_1 und S2S_2 vor, so kann man setzen:S1=φ1(W1),S2=φ2(W2).\begin{aligned} S_1 &= \varphi_1(W_1), \\ S_2 &= \varphi_2(W_2). \end{aligned}EntropyEntropyProbability of the configurationEntropyEntropyProbability of the configurationExplain this equation Betrachtet man diese beiden Systeme als ein einziges System von der Entropie SS und der Wahrscheinlichkeit WW, so ist:S=S1+S2=φ(W)S = S_1 + S_2 = \varphi(W)EntropyEntropyEntropyEntropyProbability of the configurationExplain this equation undW=W1⋅W2.W = W_1 \cdot W_2.Probability of the configurationProbability of the configurationProbability of the configurationExplain this equation Die letztere Beziehung sagt aus, daß die Zustände der beiden Systeme voneinander unabhängige Ereignisse sind.

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 141]Aus diesen Gleichungen folgt:φ(W1⋅W2)=φ1(W1)+φ2(W2)\varphi(W_1 \cdot W_2) = \varphi_1(W_1) + \varphi_2(W_2)EntropyProbability of the configurationProbability of the configurationEntropyEntropyExplain this equation und hieraus endlichφ1(W1)=Clg⁡(W1)+konst.,φ2(W2)=Clg⁡(W2)+konst.,φ(W)=Clg⁡(W)+konst.\begin{aligned} \varphi_1(W_1) &= C \lg(W_1) + \text{konst.}, \\ \varphi_2(W_2) &= C \lg(W_2) + \text{konst.}, \\ \varphi(W) &= C \lg(W) + \text{konst.} \end{aligned}EntropyProbability of the configurationUniversal entropy constantEntropyProbability of the configurationEntropyProbability of the configurationExplain this equation Die Größe CC ist also eine universelle Konstante; sie hat, wie aus der kinetischen Gastheorie folgt, den Wert R/NR/N, wobei den Konstanten RR und NN dieselbe Bedeutung wie oben beizulegen ist. Bedeutet S0S_0 die Entropie bei einem gewissen Anfangszustande eines betrachteten Systems und WW die relative Wahrscheinlichkeit eines Zustandes von der Entropie SS, so erhalten wir also allgemein:S−S0=RNlg⁡W.S - S_0 = \frac{R}{N} \lg W.EntropyEntropyGas constantAvogadro's numberProbability of the configurationExplain this equation

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 141]Wir behandeln zunächst folgenden Spezialfall. In einem Volumen v0v_0 sei eine Anzahl (n)(n) beweglicher Punkte (z. B. Moleküle) vorhanden, auf welche sich unsere Überlegung beziehen soll. Außer diesen können in dem Raume noch beliebig viele andere bewegliche Punkte irgendwelcher Art vorhanden sein. Über das Gesetz, nach dem sich die betrachteten Punkte in dem Raume bewegen, sei nichts vorausgesetzt, als daß in bezug auf diese Bewegung kein Raumteil (und keine Richtung) von den anderen ausgezeichnet sei. Die Anzahl der betrachteten (ersterwähnten) beweglichen Punkte sei ferner so klein, daß von einer Wirkung der Punkte aufeinander abgesehen werden kann.

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 141]Dem betrachteten System, welches z. B. ein ideales Gas oder eine verdünnte Lösung sein kann, kommt eine gewisse Entropie S0S_0 zu. Wir denken uns einen Teil des Volumens v0v_0 von der Größe vv und alle nn beweglichen Punkte in das Volumen vv versetzt, ohne daß an dem System sonst etwas geändert wird. Diesem Zustand kommt offenbar ein anderer Wert der Entropie (S)(S) zu, und wir wollen nun die Entropiedifferenz mit Hilfe des Boltzmannschen Prinzips bestimmen.

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 142]Wir fragen: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit des letzterwähnten Zustandes relativ zum ursprünglichen? Oder: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich in einem zufällig herausgegriffenen Zeitmoment alle nn in einem gegebenen Volumen v0v_0 unabhängig voneinander beweglichen Punkte (zufällig) in dem Volumen vv befinden?

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 142]Für diese Wahrscheinlichkeit, welche eine „statistische Wahrscheinlichkeit“ ist, erhält man offenbar den Wert:W=(vv0)n;W = \left( \frac{v}{v_0} \right)^n ;Probability of the configurationVolumeVolumeNumber of independent pointsExplain this equation man erhält hieraus durch Anwendung des Boltzmannschen Prinzipes:S−S0=R(nN)lg⁡(vv0).S - S_0 = R \left( \frac{n}{N} \right) \lg \left( \frac{v}{v_0} \right).EntropyEntropyGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberVolumeVolumeExplain this equation

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 142]Es ist bemerkenswert, daß man zur Herleitung dieser Gleichung, aus welcher das Boyle-Gay-Lussacsche Gesetz und das gleichlautende Gesetz des osmotischen Druckes leicht thermodynamisch ableiten kann[1)]; keine Voraussetzung über das Gesetz zu machen braucht, nachdem sich die Moleküle bewegen.

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 148]
Bern, den 17. März 1905.
[p. 148]
(Eingegangen 18. März 1905.)

Fußnoten

  1. 1) Ist EE die Energie des Systems, so erhält man:−d(E−TS)=pdv=TdS=RnNdvv;- d(E - T S) = p d v = T d S = R \frac{n}{N} \frac{d v}{v} ;System energyTemperature of the radiationEntropyGas pressureVolumeGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberExplain this equationSo printed. Read: - d(E - T S) = p d v = T d S = R (n/N) T (d v / v). The chain equates three energies and then an entropy. The record in the correction log alsopv=RnNT.p v = R \frac{n}{N} T.Gas pressureVolumeGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberTemperature of the radiationExplain this equation ↩

    Explained in Independence supplies the exponent

Page 132 as printed in Annalen der Physik, volume 17.
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