Quelle
Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt
Bern, den 17. März 1905.
Annalen der Physik (4) 17, 132–148 (1905).
[p. 140]§ 5. Molekulartheoretische Untersuchung der Abhängigkeit der Entropie von Gasen und verdünnten Lösungen vom Volumen.
[p. 140]Bei Berechnung der Entropie auf molekulartheoretischem Wege wird häufig das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in einer Bedeutung angewendet, die sich nicht mit der Definition der Wahrscheinlichkeit deckt, wie sie in der Wahrscheinlichkeitsrechnung gegeben wird. Insbesondere werden die „Fälle gleicher Wahrscheinlichkeit“ häufig hypothetisch festgesetzt in Fällen, wo die angewendeten theoretischen Bilder bestimmt genug sind, um statt jener hypothetischen Festsetzung eine Deduktion zu geben. Ich will in einer besonderen Arbeit zeigen, daß man bei Betrachtungen über thermische Vorgänge mit der sogenannten „statistischen Wahrscheinlichkeit“ vollkommen auskommt und hoffe dadurch eine logische Schwierigkeit zu beseitigen, welche der Durchführung des Boltzmannschen Prinzips noch im Wege steht. Hier aber soll nur dessen allgemeine Formulierung und dessen Anwendung auf ganz spezielle Fälle gegeben werden.
Explained in Which probability the entropy uses
[pp. 140–141]Wenn es einen Sinn hat, von der Wahrscheinlichkeit eines Zustandes eines Systems zu reden, wenn ferner jede Entropiezunahme als ein Übergang zu einem wahrscheinlicheren Zustande aufgefaßt werden kann, so ist die Entropie eines Systems eine Funktion der Wahrscheinlichkeit seines momentanen Zustandes. Liegen also zwei nicht miteinander in Wechselwirkung stehende Systeme und vor, so kann man setzen:EntropyEntropyProbability of the configurationEntropyEntropyProbability of the configurationExplain this equation Betrachtet man diese beiden Systeme als ein einziges System von der Entropie und der Wahrscheinlichkeit , so ist:EntropyEntropyEntropyEntropyProbability of the configurationExplain this equation undProbability of the configurationProbability of the configurationProbability of the configurationExplain this equation Die letztere Beziehung sagt aus, daß die Zustände der beiden Systeme voneinander unabhängige Ereignisse sind.
Explained in Independence supplies the exponent
[p. 141]Aus diesen Gleichungen folgt:EntropyProbability of the configurationProbability of the configurationEntropyEntropyExplain this equation und hieraus endlichEntropyProbability of the configurationUniversal entropy constantEntropyProbability of the configurationEntropyProbability of the configurationExplain this equation Die Größe ist also eine universelle Konstante; sie hat, wie aus der kinetischen Gastheorie folgt, den Wert , wobei den Konstanten und dieselbe Bedeutung wie oben beizulegen ist. Bedeutet die Entropie bei einem gewissen Anfangszustande eines betrachteten Systems und die relative Wahrscheinlichkeit eines Zustandes von der Entropie , so erhalten wir also allgemein:EntropyEntropyGas constantAvogadro's numberProbability of the configurationExplain this equation
Explained in Independence supplies the exponent
[p. 141]Wir behandeln zunächst folgenden Spezialfall. In einem Volumen sei eine Anzahl beweglicher Punkte (z. B. Moleküle) vorhanden, auf welche sich unsere Überlegung beziehen soll. Außer diesen können in dem Raume noch beliebig viele andere bewegliche Punkte irgendwelcher Art vorhanden sein. Über das Gesetz, nach dem sich die betrachteten Punkte in dem Raume bewegen, sei nichts vorausgesetzt, als daß in bezug auf diese Bewegung kein Raumteil (und keine Richtung) von den anderen ausgezeichnet sei. Die Anzahl der betrachteten (ersterwähnten) beweglichen Punkte sei ferner so klein, daß von einer Wirkung der Punkte aufeinander abgesehen werden kann.
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[p. 141]Dem betrachteten System, welches z. B. ein ideales Gas oder eine verdünnte Lösung sein kann, kommt eine gewisse Entropie zu. Wir denken uns einen Teil des Volumens von der Größe und alle beweglichen Punkte in das Volumen versetzt, ohne daß an dem System sonst etwas geändert wird. Diesem Zustand kommt offenbar ein anderer Wert der Entropie zu, und wir wollen nun die Entropiedifferenz mit Hilfe des Boltzmannschen Prinzips bestimmen.
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[p. 142]Wir fragen: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit des letzterwähnten Zustandes relativ zum ursprünglichen? Oder: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich in einem zufällig herausgegriffenen Zeitmoment alle in einem gegebenen Volumen unabhängig voneinander beweglichen Punkte (zufällig) in dem Volumen befinden?
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[p. 142]Für diese Wahrscheinlichkeit, welche eine „statistische Wahrscheinlichkeit“ ist, erhält man offenbar den Wert:Probability of the configurationVolumeVolumeNumber of independent pointsExplain this equation man erhält hieraus durch Anwendung des Boltzmannschen Prinzipes:EntropyEntropyGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberVolumeVolumeExplain this equation
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[p. 142]Es ist bemerkenswert, daß man zur Herleitung dieser Gleichung, aus welcher das Boyle-Gay-Lussacsche Gesetz und das gleichlautende Gesetz des osmotischen Druckes leicht thermodynamisch ableiten kann[1)]; keine Voraussetzung über das Gesetz zu machen braucht, nachdem sich die Moleküle bewegen.
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Fußnoten
- 1) Ist die Energie des Systems, so erhält man:System energyTemperature of the radiationEntropyGas pressureVolumeGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberExplain this equationSo printed. Read: - d(E - T S) = p d v = T d S = R (n/N) T (d v / v). The chain equates three energies and then an entropy. The record in the correction log alsoGas pressureVolumeGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberTemperature of the radiationExplain this equation ↩
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