Quelle

Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt

von A. Einstein

Annalen der Physik (4) 17, 132–148 (1905).

[p. 132]
Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt;
[p. 132]
von A. Einstein.

[p. 145]§ 8. Über die Erzeugung von Kathodenstrahlen durch Belichtung fester Körper.

[p. 145]Die übliche Auffassung, daß die Energie des Lichtes kontinuierlich über den durchstrahlten Raum verteilt sei, findet bei dem Versuch, die lichtelektrischen Erscheinungen zu erklären, besonders große Schwierigkeiten, welche in einer bahnbrechenden Arbeit von Hrn. Lenard dargelegt sind.[1)]

Explained in More electrons is not more energy per electron

[pp. 145–146]Nach der Auffassung, daß das erregende Licht aus Energiequanten von der Energie (R/N)βν(R/N) \beta \nu bestehe, läßt sich die Erzeugung von Kathodenstrahlen durch Licht folgendermaßen auffassen. In die oberflächliche Schicht des Körpers dringen Energiequanten ein, und deren Energie verwandelt sich wenigstens zum Teil in kinetische Energie von Elektronen. Die einfachste Vorstellung ist die, daß ein Lichtquant seine ganze Energie an ein einziges Elektron abgibt; wir wollen annehmen, daß dies vorkomme. Es soll jedoch nicht ausgeschlossen sein, daß Elektronen die Energie von Lichtquanten nur teilweise aufnehmen. Ein im Innern des Körpers mit kinetischer Energie versehenes Elektron wird, wenn es die Oberfläche erreicht hat, einen Teil seiner kinetischen Energie eingebüßt haben. Außerdem wird anzunehmen sein, daß jedes Elektron beim Verlassen des Körpers eine (für den Körper charakteristische) Arbeit PP zu leisten hat, wenn es den Körper verläßt. Mit der größten Normalgeschwindigkeit werden die unmittelbar an der Oberfläche normal zu dieser erregten Elektronen den Körper verlassen. Die kinetische Energie solcher Elektronen istRNβν−P.\frac{R}{N} \beta \nu - P .Gas constantAvogadro's numberSpectral constant BFrequency of the lightEscape workExplain this equation

Explained in More electrons is not more energy per electron and A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

[p. 146]Ist der Körper zum positiven Potential Π\Pi geladen und von Leitern vom Potential Null umgeben und ist Π\Pi eben imstande, einen Elektrizitätsverlust des Körpers zu verhindern, so muß sein:Πε=RNβν−P,\Pi \varepsilon = \frac{R}{N} \beta \nu - P ,Stopping potentialCharge of one electronGas constantAvogadro's numberSpectral constant BFrequency of the lightEscape workExplain this equation wobei ε\varepsilon die elektrische Masse des Elektrons bedeutet, oderΠE=Rβν−P′,\Pi E = R \beta \nu - P' ,Stopping potentialGram-equivalent chargeGas constantSpectral constant BFrequency of the lightWork function per gram-equivalentExplain this equation wobei EE die Ladung eines Grammäquivalentes eines einwertigen Ions und P′P' das Potential dieser Menge negativer Elektrizität in bezug auf den Körper bedeutet.[1)]

Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

[p. 146]Setzt man E=9,6⋅103E = 9{,}6 \cdot 10^3, so ist Π⋅10−8\Pi \cdot 10^{-8} das Potential in Volts, welches der Körper bei Bestrahlung im Vakuum annimmt.

Explained in More electrons is not more energy per electron

[p. 146]Um zunächst zu sehen, ob die abgeleitete Beziehung der Größenordnung nach mit der Erfahrung übereinstimmt, setzen wir P′=0P' = 0, ν=1,03⋅1015\nu = 1{,}03 \cdot 10^{15} (entsprechend der Grenze des Sonnenspektrums nach dem Ultraviolett hin) und β=4,866⋅10−11\beta = 4{,}866 \cdot 10^{-11}. Wir erhalten Π⋅107=4,3\Pi \cdot 10^7 = 4{,}3 Volt, welches Resultat der Größenordnung nach mit den Resultaten von Hrn. Lenard übereinstimmt.[2)]

Explained in More electrons is not more energy per electron

[p. 146]Ist die abgeleitete Formel richtig, so muß Π\Pi, als Funktion der Frequenz des erregenden Lichtes in kartesischen Koordinaten dargestellt, eine Gerade sein, deren Neigung von der Natur der untersuchten Substanz unabhängig ist.

Explained in More electrons is not more energy per electron

[p. 147]Mit den von Hrn. Lenard beobachteten Eigenschaften der lichtelektrischen Wirkung steht unsere Auffassung, soweit ich sehe, nicht im Widerspruch. Wenn jedes Energiequant des erregenden Lichtes unabhängig von allen übrigen seine Energie an Elektronen abgibt, so wird die Geschwindigkeitsverteilung der Elektronen, d. h. die Qualität der erzeugten Kathodenstrahlung von der Intensität des erregenden Lichtes unabhängig sein; andererseits wird die Anzahl der den Körper verlassenden Elektronen der Intensität des erregenden Lichtes unter sonst gleichen Umständen proportional sein.[1)]

Explained in More electrons is not more energy per electron

[p. 147]Über die mutmaßlichen Gültigkeitsgrenzen der erwähnten Gesetzmäßigkeiten wären ähnliche Bemerkungen zu machen wie bezüglich der mutmaßlichen Abweichungen von der Stokesschen Regel.

Explained in Einstein's own limits on the photoelectric laws

[p. 147]Im vorstehenden ist angenommen, daß die Energie wenigstens eines Teiles der Energiequanten des erzeugenden Lichtes je an ein einziges Elektron vollständig abgegeben werde. Macht man diese naheliegende Voraussetzung nicht, so erhält man statt obiger Gleichung die folgende:ΠE+P′≦Rβν.\Pi E + P' \leqq R \beta \nu .Stopping potentialGram-equivalent chargeWork function per gram-equivalentGas constantSpectral constant BFrequency of the lightExplain this equation

Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

[p. 147]Für die Kathodenlumineszenz, welche den inversen Vorgang zu dem eben betrachteten bildet, erhält man durch eine der durchgeführten analoge Betrachtung:ΠE+P′≧Rβν.\Pi E + P' \geqq R \beta \nu .Stopping potentialGram-equivalent chargeWork function per gram-equivalentGas constantSpectral constant BFrequency of the lightExplain this equation Bei den von Hrn. Lenard untersuchten Substanzen ist PEP E stets bedeutend größer als RβνR \beta \nu, da die Spannung, welche die Kathodenstrahlen durchlaufen haben müssen, um eben sichtbares Licht erzeugen zu können, in einigen Fällen einige Hundert, in anderen Tausende von Volts beträgt.[2)] Es ist also anzunehmen, daß die kinetische Energie eines Elektrons zur Erzeugung vieler Lichtenergiequanten verwendet wird.

Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

[p. 148]
Bern, den 17. März 1905.
[p. 148]
(Eingegangen 18. März 1905.)

Fußnoten

  1. 1) P. Lenard, Ann. d. Phys. 8. p. 169 u. 170. 1902. ↩

    Explained in More electrons is not more energy per electron

  2. 1) Nimmt man an, daß das einzelne Elektron durch das Licht aus einem neutralen Molekül unter Aufwand einer gewissen Arbeit losgelöst werden muß, so hat man an der abgeleiteten Beziehung nichts zu ändern; nur ist dann P′P' als Summe von zwei Summanden aufzufassen. ↩

    Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

  3. 2) P. Lenard, Ann. d. Phys. 8. p. 165 u. 184. Taf. I, Fig. 2. 1902. ↩

    Explained in More electrons is not more energy per electron

  4. 1) P. Lenard, l. c. p. 150 und p. 166—168. ↩

    Explained in More electrons is not more energy per electron

  5. 2) P. Lenard, Ann. d. Phys. 12. p. 469. 1903. ↩

    Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

Page 132 as printed in Annalen der Physik, volume 17.
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