Quelle

Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt

von A. Einstein

Annalen der Physik (4) 17, 132–148 (1905).

[p. 132]
Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt;
[p. 132]
von A. Einstein.

[p. 132]Zwischen den theoretischen Vorstellungen, welche sich die Physiker über die Gase und andere ponderable Körper gebildet haben, und der Maxwellschen Theorie der elektromagnetischen Prozesse im sogenannten leeren Raume besteht ein tiefgreifender formaler Unterschied. Während wir uns nämlich den Zustand eines Körpers durch die Lagen und Geschwindigkeiten einer zwar sehr großen, jedoch endlichen Anzahl von Atomen und Elektronen für vollkommen bestimmt ansehen, bedienen wir uns zur Bestimmung des elektromagnetischen Zustandes eines Raumes kontinuierlicher räumlicher Funktionen, so daß also eine endliche Anzahl von Größen nicht als genügend anzusehen ist zur vollständigen Festlegung des elektromagnetischen Zustandes eines Raumes. Nach der Maxwellschen Theorie ist bei allen rein elektromagnetischen Erscheinungen, also auch beim Licht, die Energie als kontinuierliche Raumfunktion aufzufassen, während die Energie eines ponderabeln Körpers nach der gegenwärtigen Auffassung der Physiker als eine über die Atome und Elektronen erstreckte Summe darzustellen ist. Die Energie eines ponderabeln Körpers kann nicht in beliebig viele, beliebig kleine Teile zerfallen, während sich die Energie eines von einer punktförmigen Lichtquelle ausgesandten Lichtstrahles nach der Maxwellschen Theorie (oder allgemeiner nach jeder Undulationstheorie) des Lichtes auf ein stets wachsendes Volumen sich kontinuierlich verteilt.

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[pp. 132–133]Die mit kontinuierlichen Raumfunktionen operierende Undulationstheorie des Lichtes hat sich zur Darstellung der rein optischen Phänomene vortrefflich bewährt und wird wohl nie durch eine andere Theorie ersetzt werden. Es ist jedoch im Auge zu behalten, daß sich die optischen Beobachtungen auf zeitliche Mittelwerte, nicht aber auf Momentanwerte beziehen, und es ist trotz der vollständigen Bestätigung der Theorie der Beugung, Reflexion, Brechung, Dispersion etc. durch das Experiment wohl denkbar, daß die mit kontinuierlichen Raumfunktionen operierende Theorie des Lichtes zu Widersprüchen mit der Erfahrung führt, wenn man sie auf die Erscheinungen der Lichterzeugung und Lichtverwandlung anwendet.

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[p. 133]Es scheint mir nun in der Tat, daß die Beobachtungen über die „schwarze Strahlung“, Photolumineszenz, die Erzeugung von Kathodenstrahlen durch ultraviolettes Licht und andere die Erzeugung bez. Verwandlung des Lichtes betreffende Erscheinungsgruppen besser verständlich erscheinen unter der Annahme, daß die Energie des Lichtes diskontinuierlich im Raume verteilt sei. Nach der hier ins Auge zu fassenden Annahme ist bei Ausbreitung eines von einem Punkte ausgehenden Lichtstrahles die Energie nicht kontinuierlich auf größer und größer werdende Räume verteilt, sondern es besteht dieselbe aus einer endlichen Zahl von in Raumpunkten lokalisierten Energiequanten, welche sich bewegen, ohne sich zu teilen und nur als Ganze absorbiert und erzeugt werden können.

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[p. 133]Im folgenden will ich den Gedankengang mitteilen und die Tatsachen anführen, welche mich auf diesen Weg geführt haben, in der Hoffnung, daß der darzulegende Gesichtspunkt sich einigen Forschern bei ihren Untersuchungen als brauchbar erweisen möge.

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[p. 133]§ 1. Über eine die Theorie der „schwarzen Strahlung“ betreffende Schwierigkeit.

[pp. 133–134]Wir stellen uns zunächst auf den Standpunkt der Maxwellschen Theorie und Elektronentheorie und betrachten folgenden Fall. In einem von vollkommen reflektierenden Wänden eingeschlossenen Raumes befinde sich eine Anzahl Gasmoleküle und Elektronen, welche freibeweglich sind und aufeinander konservative Kräfte ausüben, wenn sie einander sehr nahe kommen, d. h. miteinander wie Gasmoleküle nach der kinetischen Gastheorie zusammenstoßen können.[1)] Eine Anzahl Elektronen sei ferner an voneinander weit entfernte Punkte des Raumes gekettet durch nach diesen Punkten gerichtete, den Elongationen proportionale Kräfte. Auch diese Elektronen sollen mit den freien Molekülen und Elektronen in konservative Wechselwirkung treten, wenn ihnen letztere sehr nahe kommen. Wir nennen die an Raumpunkte geketteten Elektronen „Resonatoren“; sie senden elektromagnetische Wellen bestimmter Periode aus und absorbieren solche.

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[p. 134]Nach der gegenwärtigen Ansicht über die Entstehung des Lichtes müßte die Strahlung im betrachteten Raume, welche unter Zugrundelegung der Maxwellschen Theorie für den Fall des dynamischen Gleichgewichtes gefunden wird, mit der „schwarzen Strahlung“ identisch sein — wenigstens wenn Resonatoren aller in Betracht zu ziehenden Frequenzen als vorhanden angesehen werden.

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[pp. 134–135]Wir sehen vorläufig von der von den Resonatoren emittierten und absorbierten Strahlung ab und fragen nach der der Wechselwirkung (den Zusammenstößen) von Molekülen und Elektronen entsprechenden Bedingung für das dynamische Gleichgewicht. Die kinetische Gastheorie liefert für letzteres die Bedingung, daß die mittlere lebendige Kraft eines Resonatorelektrons gleich der mittleren kinetischen Energie der fortschreitenden Bewegung eines Gasmoleküles sein muß. Zerlegen wir die Bewegung des Resonatorelektrons in drei aufeinander senkrechte Schwingungsbewegungen, so finden wir für den Mittelwert E‾\overline{E} der Energie einer solchen geradlinigen SchwingungsbewegungE‾=RNT,\overline{E} = \frac{R}{N} T,Mean resonator energyGas constantAvogadro's numberTemperature of the radiationExplain this equation wobei RR die absolute Gaskonstante, NN die Anzahl der „wirklichen Moleküle“ in einem Grammäquivalent und TT die absolute Temperatur bedeutet. Die Energie E‾\overline{E} ist nämlich wegen der Gleichheit der zeitlichen Mittelwerte von kinetischer und potentieller Energie des Resonators 2/32/3 mal so groß wie die lebendige Kraft eines freien, einatomigen Gasmoleküles. Würde nun durch irgend eine Ursache — in unserem Falle durch Strahlungsvorgänge — bewirkt, daß die Energie eines Resonators einen größeren oder kleineren zeitlichen Mittelwert als E‾\overline{E} besitzt, so würden die Zusammenstöße mit den freien Elektronen und Molekülen zu einer im Mittel von Null verschiedenen Energieabgabe an das Gas bez. Energieaufnahme von dem Gas führen. Es ist also in dem von uns betrachteten Falle dynamisches Gleichgewicht nur dann möglich, wenn jeder Resonator die mittlere Energie E‾\overline{E} besitzt.

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[p. 135]Eine ähnliche Überlegung machen wir jetzt bezüglich der Wechselwirkung der Resonatoren und der im Raume vorhandenen Strahlung. Hr. Planck hat für diesen Fall die Bedingung des dynamischen Gleichgewichtes abgeleitet[1)] unter der Voraussetzung, daß die Strahlung als ein denkbar ungeordnetster Prozeß[2)] betrachtet werden kann. Er fand:E‾ν=L38πν2ϱν.\overline{E}_\nu = \frac{L^3}{8 \pi \nu^2} \varrho_\nu.Mean resonator energy at a given frequencySpeed of lightFrequency of the lightSpectral energy densityExplain this equation E‾ν\overline{E}_\nu ist hierbei die mittlere Energie eines Resonators von der Eigenfrequenz ν\nu (pro Schwingungskomponente), LL die Lichtgeschwindigkeit, ν\nu die Frequenz und ϱνdν\varrho_\nu d \nu die Energie pro Volumeinheit desjenigen Teiles der Strahlung, dessen Schwingungszahl zwischen ν\nu und ν+dν\nu + d \nu liegt.

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[p. 136]Soll die Strahlungsenergie von der Frequenz ν\nu nicht beständig im Ganzen weder vermindert noch vermehrt werden, so muß gelten:RNT=E‾=E‾ν=L38πν2ϱν,\frac{R}{N} T = \overline{E} = \overline{E}_\nu = \frac{L^3}{8 \pi \nu^2} \varrho_\nu,Gas constantAvogadro's numberTemperature of the radiationMean resonator energyMean resonator energy at a given frequencySpeed of lightFrequency of the lightSpectral energy densityExplain this equationϱν=RN8πν2L3T.\varrho_\nu = \frac{R}{N} \frac{8 \pi \nu^2}{L^3} T.Spectral energy densityGas constantAvogadro's numberFrequency of the lightSpeed of lightTemperature of the radiationExplain this equation Diese als Bedingung des dynamischen Gleichgewichtes gefundene Beziehung entbehrt nicht nur der Übereinstimmung mit der Erfahrung, sondern sie besagt auch, daß in unserem Bilde von einer bestimmten Energieverteilung zwischen Äther und Materie nicht die Rede sein kann. Je weiter nämlich der Schwingungszahlenbereich der Resonatoren gewählt wird, desto größer wird die Strahlungsenergie des Raumes, und wir erhalten in der Grenze∫0∞ϱνdν=RN8πL3T∫0∞ν2dν=∞.\int_0^\infty \varrho_\nu d \nu = \frac{R}{N} \frac{8 \pi}{L^3} T \int_0^\infty \nu^2 d \nu = \infty.Spectral energy densityFrequency of the lightGas constantAvogadro's numberSpeed of lightTemperature of the radiationExplain this equation

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[p. 136]§ 2. Über die Plancksche Bestimmung der Elementarquanta.

[p. 136]Wir wollen im folgenden zeigen, daß die von Hrn. Planck gegebene Bestimmung der Elementarquanta von der von ihm aufgestellten Theorie der „schwarzen Strahlung“ bis zu einem gewissen Grade unabhängig ist.

Explained in A spectral fit is not yet a free-light hypothesis

[pp. 136–137]Die allen bisherigen Erfahrungen genügende Plancksche Formel[1)] für ϱν\varrho_\nu lautetϱν=αν3eβνT−1,\varrho_\nu = \frac{\alpha \nu^3}{e^{\frac{\beta \nu}{T}} - 1},Spectral energy densitySpectral constant AFrequency of the lightSpectral constant BTemperature of the radiationExplain this equation wobeiα=6,10⋅10−56,\alpha = 6{,}10 \cdot 10^{-56},Spectral constant AExplain this equationβ=4,866⋅10−11.\beta = 4{,}866 \cdot 10^{-11}.Spectral constant BExplain this equation Für große Werte von T/νT/\nu, d. h. für große Wellenlängen und Strahlungsdichten geht diese Formel in der Grenze in folgende über:ϱν=αβν2T.\varrho_\nu = \frac{\alpha}{\beta} \nu^2 T.Spectral energy densitySpectral constant ASpectral constant BFrequency of the lightTemperature of the radiationExplain this equation Man erkennt, daß diese Formel mit der in § 1 aus der Maxwellschen und der Elektronentheorie entwickelten übereinstimmt. Durch Gleichsetzung der Koeffizienten beider Formeln erhält man:RN8πL3=αβ\frac{R}{N} \frac{8 \pi}{L^3} = \frac{\alpha}{\beta}Gas constantAvogadro's numberSpeed of lightSpectral constant ASpectral constant BExplain this equation oderN=βα8πRL3=6,17⋅1023,N = \frac{\beta}{\alpha} \frac{8 \pi R}{L^3} = 6{,}17 \cdot 10^{23},Avogadro's numberSpectral constant BSpectral constant AGas constantSpeed of lightExplain this equation d. h. ein Atom Wasserstoff wiegt 1/N1/N Gramm =1,62⋅10−24= 1{,}62 \cdot 10^{-24} g. Dies ist genau der von Hrn. Planck gefundene Wert, welcher mit den auf anderen Wegen gefundenen Werten für diese Größe befriedigend übereinstimmt.

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[p. 137]Wir gelangen daher zu dem Schlusse: Je größer die Energiedichte und die Wellenlänge einer Strahlung ist, als um so brauchbarer erweisen sich die von uns benutzten theoretischen Grundlagen; für kleine Wellenlängen und kleine Strahlungsdichten aber versagen dieselben vollständig.

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[p. 137]Im folgenden soll die „schwarze Strahlung“ im Anschluß an die Erfahrung ohne Zugrundelegung eines Bildes über die Erzeugung und Ausbreitung der Strahlung betrachtet werden.

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[p. 137]§ 3. Über die Entropie der Strahlung.

[p. 137]Die folgende Betrachtung ist in einer berühmten Arbeit des Hrn. W. Wien enthalten und soll hier nur der Vollständigkeit halber Platz finden.

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[pp. 137–138]Es liege eine Strahlung vor, welche das Volumen vv einnehme. Wir nehmen an, daß die wahrnehmbaren Eigenschaften der vorliegenden Strahlung vollkommen bestimmt seien, wenn die Strahlungsdichte ϱ(ν)\varrho(\nu) für alle Frequenzen gegeben ist.[1)] Da Strahlungen von verschiedenen Frequenzen als ohne Arbeitsleistung und ohne Wärmezufuhr voneinander trennbar anzusehen sind, so ist die Entropie der Strahlung in der FormS=v∫0∞φ(ϱ,ν)dνS = v \int_0^\infty \varphi(\varrho, \nu) d \nuRadiation entropyVolumeSpectral entropy densitySpectral energy densityFrequency of the lightExplain this equation darstellbar, wobei φ\varphi eine Funktion der Variabeln ϱ\varrho und ν\nu bedeutet. Es kann φ\varphi auf eine Funktion von nur einer Variabeln reduziert werden durch Formulierung der Aussage, daß durch adiabatische Kompression einer Strahlung zwischen spiegelnden Wänden, deren Entropie nicht geändert wird. Wir wollen jedoch hierauf nicht eintreten, sondern sogleich untersuchen, wie die Funktion φ\varphi aus dem Strahlungsgesetz des schwarzen Körpers ermittelt werden kann.

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[p. 138]Bei der „schwarzen Strahlung“ ist ϱ\varrho eine solche Funktion von ν\nu, daß die Entropie bei gegebener Energie ein Maximum ist, d. h. daßδ∫0∞φ(ϱ,ν)dν=0,\delta \int_0^\infty \varphi(\varrho, \nu) d \nu = 0,Spectral entropy densitySpectral energy densityFrequency of the lightExplain this equation wennδ∫0∞ϱdν=0.\delta \int_0^\infty \varrho d \nu = 0.Spectral energy densityFrequency of the lightExplain this equation Hieraus folgt, daß für jede Wahl des δϱ\delta \varrho als Funktion von ν\nu∫0∞(∂φ∂ϱ−λ)δϱdν=0,\int_0^\infty \left( \frac{\partial \varphi}{\partial \varrho} - \lambda \right) \delta \varrho d \nu = 0,Spectral entropy densitySpectral energy densityLagrange multiplierFrequency of the lightExplain this equation wobei λ\lambda von ν\nu unabhängig ist. Bei der schwarzen Strahlung ist also ∂φ/∂ϱ\partial \varphi / \partial \varrho von ν\nu unabhängig.

Explained in A spectrum can determine an entropy derivative

[pp. 138–139]Für die Temperaturzunahme einer schwarzen Strahlung vom Volumen v=1v = 1 um dTd T gilt die Gleichung:dS=∫ν=0ν=∞∂φ∂ϱdϱdν,d S = \int_{\nu = 0}^{\nu = \infty} \frac{\partial \varphi}{\partial \varrho} d \varrho d \nu,Radiation entropyFrequency of the lightSpectral entropy densitySpectral energy densityExplain this equation oder, da ∂φ/∂ϱ\partial \varphi / \partial \varrho von ν\nu unabhängig ist:dS=∂φ∂ϱdE.d S = \frac{\partial \varphi}{\partial \varrho} d E.Radiation entropySpectral entropy densitySpectral energy densityRadiation energy in the bandExplain this equation Da dEd E gleich der zugeführten Wärme und der Vorgang umkehrbar ist, so gilt auch:dS=1TdE.d S = \frac{1}{T} d E.Radiation entropyTemperature of the radiationRadiation energy in the bandExplain this equation Durch Vergleich erhält man:∂φ∂ϱ=1T.\frac{\partial \varphi}{\partial \varrho} = \frac{1}{T}.Spectral entropy densitySpectral energy densityTemperature of the radiationExplain this equation Dies ist das Gesetz der schwarzen Strahlung. Man kann also aus der Funktion φ\varphi das Gesetz der schwarzen Strahlung und umgekehrt aus letzterem die Funktion φ\varphi durch Integration bestimmen mit Rücksicht darauf, daß φ\varphi für ϱ=0\varrho = 0 verschwindet.

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[p. 139]§ 4. Grenzgesetz für die Entropie der monochromatischen Strahlung bei geringer Strahlungsdichte.

[p. 139]Aus den bisherigen Beobachtungen über die „schwarze Strahlung“ geht zwar hervor, daß das ursprünglich von Hrn. W. Wien für die „schwarze Strahlung“ aufgestellte Gesetzϱ=αν3e−βνT\varrho = \alpha \nu^3 e^{-\beta \frac{\nu}{T}}Spectral energy densitySpectral constant AFrequency of the lightSpectral constant BTemperature of the radiationExplain this equation nicht genau gültig ist. Dasselbe wurde aber für große Werte von ν/T\nu/T sehr vollkommen durch das Experiment bestätigt. Wir legen diese Formel unseren Rechnungen zugrunde, behalten aber im Sinne, daß unsere Resultate nur innerhalb gewisser Grenzen gelten.

Explained in The constant cannot simply be dropped

[p. 139]Aus dieser Formel ergibt sich zunächst:1T=−1βνlg⁡ϱαν3\frac{1}{T} = -\frac{1}{\beta \nu} \lg \frac{\varrho}{\alpha \nu^3}Temperature of the radiationSpectral constant BFrequency of the lightSpectral energy densitySpectral constant AExplain this equation und weiter unter Benutzung der in dem vorigen Paragraphen gefundenen Beziehung:φ(ϱ,ν)=−ϱβν{lg⁡ϱαν3−1}.\varphi(\varrho, \nu) = -\frac{\varrho}{\beta \nu} \left\{ \lg \frac{\varrho}{\alpha \nu^3} - 1 \right\}.Spectral entropy densitySpectral energy densityFrequency of the lightSpectral constant BSpectral constant AExplain this equation Es sei nun eine Strahlung von der Energie EE gegeben, deren Frequenz zwischen ν\nu und ν+dν\nu + d \nu liegt. Die Strahlung nehme das Volumen vv ein. Die Entropie dieser Strahlung ist:S=vφ(ϱ,ν)dν=−Eβν{lg⁡Evαν3dν−1}.S = v \varphi(\varrho, \nu) d \nu = -\frac{E}{\beta \nu} \left\{ \lg \frac{E}{v \alpha \nu^3 d \nu} - 1 \right\}.Radiation entropyVolumeSpectral entropy densitySpectral energy densityFrequency of the lightRadiation energy in the bandSpectral constant BSpectral constant AExplain this equation Beschränken wir uns darauf, die Abhängigkeit der Entropie von dem von der Strahlung eingenommenen Volumen zu untersuchen, und bezeichnen wir die Entropie der Strahlung mit S0S_0, falls dieselbe das Volumen v0v_0 besitzt, so erhalten wir:S−S0=Eβνlg⁡(vv0).S - S_0 = \frac{E}{\beta \nu} \lg \left( \frac{v}{v_0} \right).Radiation entropyRadiation entropyRadiation energy in the bandSpectral constant BFrequency of the lightVolumeVolumeExplain this equation

Explained in The constant cannot simply be dropped and Compare two states, not a compression movie

[pp. 139–140]Diese Gleichung zeigt, daß die Entropie einer monochromatischen Strahlung von genügend kleiner Dichte nach dem gleichen Gesetze mit dem Volumen variiert wie die Entropie eines idealen Gases oder die einer verdünnten Lösung. Die soeben gefundene Gleichung soll im folgenden interpretiert werden unter Zugrundelegung des von Hrn. Boltzmann in die Physik eingeführten Prinzips, nach welchem die Entropie eines Systems eine Funktion der Wahrscheinlichkeit seines Zustandes ist.

Explained in Compare two states, not a compression movie and A coefficient suggests an energy element

[p. 140]§ 5. Molekulartheoretische Untersuchung der Abhängigkeit der Entropie von Gasen und verdünnten Lösungen vom Volumen.

[p. 140]Bei Berechnung der Entropie auf molekulartheoretischem Wege wird häufig das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in einer Bedeutung angewendet, die sich nicht mit der Definition der Wahrscheinlichkeit deckt, wie sie in der Wahrscheinlichkeitsrechnung gegeben wird. Insbesondere werden die „Fälle gleicher Wahrscheinlichkeit“ häufig hypothetisch festgesetzt in Fällen, wo die angewendeten theoretischen Bilder bestimmt genug sind, um statt jener hypothetischen Festsetzung eine Deduktion zu geben. Ich will in einer besonderen Arbeit zeigen, daß man bei Betrachtungen über thermische Vorgänge mit der sogenannten „statistischen Wahrscheinlichkeit“ vollkommen auskommt und hoffe dadurch eine logische Schwierigkeit zu beseitigen, welche der Durchführung des Boltzmannschen Prinzips noch im Wege steht. Hier aber soll nur dessen allgemeine Formulierung und dessen Anwendung auf ganz spezielle Fälle gegeben werden.

Explained in Which probability the entropy uses

[pp. 140–141]Wenn es einen Sinn hat, von der Wahrscheinlichkeit eines Zustandes eines Systems zu reden, wenn ferner jede Entropiezunahme als ein Übergang zu einem wahrscheinlicheren Zustande aufgefaßt werden kann, so ist die Entropie S1S_1 eines Systems eine Funktion der Wahrscheinlichkeit W1W_1 seines momentanen Zustandes. Liegen also zwei nicht miteinander in Wechselwirkung stehende Systeme S1S_1 und S2S_2 vor, so kann man setzen:S1=φ1(W1),S2=φ2(W2).\begin{aligned} S_1 &= \varphi_1(W_1), \\ S_2 &= \varphi_2(W_2). \end{aligned}EntropyEntropyProbability of the configurationEntropyEntropyProbability of the configurationExplain this equation Betrachtet man diese beiden Systeme als ein einziges System von der Entropie SS und der Wahrscheinlichkeit WW, so ist:S=S1+S2=φ(W)S = S_1 + S_2 = \varphi(W)EntropyEntropyEntropyEntropyProbability of the configurationExplain this equation undW=W1⋅W2.W = W_1 \cdot W_2.Probability of the configurationProbability of the configurationProbability of the configurationExplain this equation Die letztere Beziehung sagt aus, daß die Zustände der beiden Systeme voneinander unabhängige Ereignisse sind.

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 141]Aus diesen Gleichungen folgt:φ(W1⋅W2)=φ1(W1)+φ2(W2)\varphi(W_1 \cdot W_2) = \varphi_1(W_1) + \varphi_2(W_2)EntropyProbability of the configurationProbability of the configurationEntropyEntropyExplain this equation und hieraus endlichφ1(W1)=Clg⁡(W1)+konst.,φ2(W2)=Clg⁡(W2)+konst.,φ(W)=Clg⁡(W)+konst.\begin{aligned} \varphi_1(W_1) &= C \lg(W_1) + \text{konst.}, \\ \varphi_2(W_2) &= C \lg(W_2) + \text{konst.}, \\ \varphi(W) &= C \lg(W) + \text{konst.} \end{aligned}EntropyProbability of the configurationUniversal entropy constantEntropyProbability of the configurationEntropyProbability of the configurationExplain this equation Die Größe CC ist also eine universelle Konstante; sie hat, wie aus der kinetischen Gastheorie folgt, den Wert R/NR/N, wobei den Konstanten RR und NN dieselbe Bedeutung wie oben beizulegen ist. Bedeutet S0S_0 die Entropie bei einem gewissen Anfangszustande eines betrachteten Systems und WW die relative Wahrscheinlichkeit eines Zustandes von der Entropie SS, so erhalten wir also allgemein:S−S0=RNlg⁡W.S - S_0 = \frac{R}{N} \lg W.EntropyEntropyGas constantAvogadro's numberProbability of the configurationExplain this equation

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 141]Wir behandeln zunächst folgenden Spezialfall. In einem Volumen v0v_0 sei eine Anzahl (n)(n) beweglicher Punkte (z. B. Moleküle) vorhanden, auf welche sich unsere Überlegung beziehen soll. Außer diesen können in dem Raume noch beliebig viele andere bewegliche Punkte irgendwelcher Art vorhanden sein. Über das Gesetz, nach dem sich die betrachteten Punkte in dem Raume bewegen, sei nichts vorausgesetzt, als daß in bezug auf diese Bewegung kein Raumteil (und keine Richtung) von den anderen ausgezeichnet sei. Die Anzahl der betrachteten (ersterwähnten) beweglichen Punkte sei ferner so klein, daß von einer Wirkung der Punkte aufeinander abgesehen werden kann.

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 141]Dem betrachteten System, welches z. B. ein ideales Gas oder eine verdünnte Lösung sein kann, kommt eine gewisse Entropie S0S_0 zu. Wir denken uns einen Teil des Volumens v0v_0 von der Größe vv und alle nn beweglichen Punkte in das Volumen vv versetzt, ohne daß an dem System sonst etwas geändert wird. Diesem Zustand kommt offenbar ein anderer Wert der Entropie (S)(S) zu, und wir wollen nun die Entropiedifferenz mit Hilfe des Boltzmannschen Prinzips bestimmen.

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 142]Wir fragen: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit des letzterwähnten Zustandes relativ zum ursprünglichen? Oder: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich in einem zufällig herausgegriffenen Zeitmoment alle nn in einem gegebenen Volumen v0v_0 unabhängig voneinander beweglichen Punkte (zufällig) in dem Volumen vv befinden?

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 142]Für diese Wahrscheinlichkeit, welche eine „statistische Wahrscheinlichkeit“ ist, erhält man offenbar den Wert:W=(vv0)n;W = \left( \frac{v}{v_0} \right)^n ;Probability of the configurationVolumeVolumeNumber of independent pointsExplain this equation man erhält hieraus durch Anwendung des Boltzmannschen Prinzipes:S−S0=R(nN)lg⁡(vv0).S - S_0 = R \left( \frac{n}{N} \right) \lg \left( \frac{v}{v_0} \right).EntropyEntropyGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberVolumeVolumeExplain this equation

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 142]Es ist bemerkenswert, daß man zur Herleitung dieser Gleichung, aus welcher das Boyle-Gay-Lussacsche Gesetz und das gleichlautende Gesetz des osmotischen Druckes leicht thermodynamisch ableiten kann[1)]; keine Voraussetzung über das Gesetz zu machen braucht, nachdem sich die Moleküle bewegen.

Explained in Independence supplies the exponent

[p. 142]§ 6. Interpretation des Ausdruckes für die Abhängigkeit der Entropie der monochromatischen Strahlung vom Volumen nach dem Boltzmannschen Prinzip.

[pp. 142–143]Wir haben in § 4 für die Abhängigkeit der Entropie der monochromatischen Strahlung vom Volumen den Ausdruck gefunden:S−S0=Eβνlg⁡(vv0).S - S_0 = \frac{E}{\beta \nu} \lg \left( \frac{v}{v_0} \right).Radiation entropyRadiation entropyRadiation energy in the bandSpectral constant BFrequency of the lightVolumeVolumeExplain this equation Schreibt man diese Formel in der Gestalt:S−S0=RNlg⁡[(vv0)NREβν]S - S_0 = \frac{R}{N} \lg \left[ \left( \frac{v}{v_0} \right)^{\frac{N}{R} \frac{E}{\beta \nu}} \right]Radiation entropyRadiation entropyGas constantAvogadro's numberVolumeVolumeRadiation energy in the bandSpectral constant BFrequency of the lightExplain this equation und vergleicht man sie mit der allgemeinen, das Boltzmannsche Prinzip ausdrückenden FormelS−S0=RNlg⁡W,S - S_0 = \frac{R}{N} \lg W ,Radiation entropyRadiation entropyGas constantAvogadro's numberProbability of the configurationExplain this equation so gelangt man zu folgendem Schluß:

Explained in A coefficient suggests an energy element

[p. 143]Ist monochromatische Strahlung von der Frequenz ν\nu und der Energie EE in das Volumen v0v_0 (durch spiegelnde Wände) eingeschlossen, so ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich in einem beliebig herausgegriffenen Zeitmoment die ganze Strahlungsenergie in dem Teilvolumen vv des Volumens v0v_0 befindet:W=(vv0)NREβν.W = \left( \frac{v}{v_0} \right)^{\frac{N}{R} \frac{E}{\beta \nu}}.Probability of the configurationVolumeVolumeAvogadro's numberGas constantRadiation energy in the bandSpectral constant BFrequency of the lightExplain this equation

Explained in A coefficient suggests an energy element

[p. 143]Hieraus schließen wir weiter:

Explained in A coefficient suggests an energy element

[p. 143]Monochromatische Strahlung von geringer Dichte (innerhalb des Gültigkeitsbereiches der Wienschen Strahlungsformel) verhält sich in wärmetheoretischer Beziehung so, wie wenn sie aus voneinander unabhängigen Energiequanten von der Größe Rβν/NR \beta \nu / N bestünde.

Explained in A coefficient suggests an energy element

[p. 143]Wir wollen noch die mittlere Größe der Energiequanten der „schwarzen Strahlung“ mit der mittleren lebendigen Kraft der Schwerpunktsbewegung eines Moleküls bei der nämlichen Temperatur vergleichen. Letztere ist 32(R/N)T\frac{3}{2} (R/N) T, während man für die mittlere Größe des Energiequantums unter Zugrundelegung der Wienschen Formel erhält:∫0∞αν3e−βνTdν∫0∞NRβναν3e−βνTdν=3RNT.\frac{\int_0^\infty \alpha \nu^3 e^{-\frac{\beta \nu}{T}} d \nu}{\int_0^\infty \frac{N}{R \beta \nu} \alpha \nu^3 e^{-\frac{\beta \nu}{T}} d \nu} = 3 \frac{R}{N} T.Spectral constant AFrequency of the lightSpectral constant BTemperature of the radiationAvogadro's numberGas constantExplain this equation

Explained in A coefficient suggests an energy element

[pp. 143–144]Wenn sich nun monochromatische Strahlung (von hinreichend kleiner Dichte) bezüglich der Abhängigkeit der Entropie vom Volumen wie ein diskontinuierliches Medium verhält, welches aus Energiequanten von der Größe Rβν/NR \beta \nu / N besteht, so liegt es nahe, zu untersuchen, ob auch die Gesetze der Erzeugung und Verwandlung des Lichtes so beschaffen sind, wie wenn das Licht aus derartigen Energiequanten bestünde. Mit dieser Frage wollen wir uns im folgenden beschäftigen.

Explained in A coefficient suggests an energy element

[p. 144]§ 7. Über die Stokessche Regel.

[p. 144]Es werde monochromatisches Licht durch Photolumineszenz in Licht anderer Frequenz verwandelt und gemäß dem eben erlangten Resultat angenommen, daß sowohl das erzeugende wie das erzeugte Licht aus Energiequanten von der Größe (R/N)βν(R/N) \beta \nu bestehe, wobei ν\nu die betreffende Frequenz bedeutet. Der Verwandlungsprozeß wird dann folgendermaßen zu deuten sein. Jedes erzeugende Energiequant von der Frequenz ν1\nu_1 wird absorbiert und gibt — wenigstens bei genügend kleiner Verteilungsdichte der erzeugenden Energiequanten — für sich allein Anlaß zur Entstehung eines Lichtquants von der Frequenz ν2\nu_2; eventuell können bei der Absorption des erzeugenden Lichtquants auch gleichzeitig Lichtquanten von den Frequenzen ν3\nu_3, ν4\nu_4 etc. sowie Energie anderer Art (z. B. Wärme) entstehen. Unter Vermittelung von was für Zwischenprozessen dies Endresultat zustande kommt, ist gleichgültig. Wenn die photolumineszierende Substanz nicht als eine beständige Quelle von Energie anzusehen ist, so kann nach dem Energieprinzip die Energie eines erzeugten Energiequants nicht größer sein als die eines erzeugenden Lichtquants; es muß also die Bezeichnung gelten:RNβν2≦RNβν1\frac{R}{N} \beta \nu_2 \leqq \frac{R}{N} \beta \nu_1Gas constantAvogadro's numberSpectral constant BFrequency of the emitted lightFrequency of the absorbed lightExplain this equation oderν2≦ν1.\nu_2 \leqq \nu_1 .Frequency of the emitted lightFrequency of the absorbed lightExplain this equation Dies ist die bekannte Stokessche Regel.

Explained in An energy budget has conditions

[p. 144]Besonders hervorzuheben ist, daß bei schwacher Belichtung die erzeugte Lichtmenge der erregenden unter sonst gleichen Umständen nach unserer Auffassung der erregenden Lichtstärke proportional sein muß, da jedes erregende Energiequant einen Elementarprozeß von der oben angedeuteten Art verursachen wird, unabhängig von der Wirkung der anderen erregenden Energiequanten. Insbesondere wird es keine untere Grenze für die Intensität des erregenden Lichtes geben, unterhalb welcher das Licht unfähig wäre, lichterregend zu wirken.

Explained in An energy budget has conditions

[p. 145]Abweichungen von der Stokesschen Regel sind nach der dargelegten Auffassung der Phänomene in folgenden Fällen denkbar:
1. wenn die Anzahl der gleichzeitig in Umwandlung begriffenen Energiequanten pro Volumeneinheit so groß ist, daß ein Energiequant des erzeugten Lichtes seine Energie von mehreren erzeugenden Energiequanten erhalten kann;
2. wenn das erzeugende (oder erzeugte) Licht nicht von derjenigen energetischen Beschaffenheit ist, die einer „schwarzen Strahlung“ aus dem Gültigkeitsbereich des Wienschen Gesetzes zukommt, wenn also z. B. das erregende Licht von einem Körper so hoher Temperatur erzeugt ist, daß für die in Betracht kommende Wellenlänge das Wiensche Gesetz nicht mehr gilt.

Explained in An energy budget has conditions

[p. 145]Die letztgenannte Möglichkeit verdient besonderes Interesse. Nach der entwickelten Auffassung ist es nämlich nicht ausgeschlossen, daß eine „nicht Wiensche Strahlung“ auch in großer Verdünnung sich in energetischer Beziehung anders verhält als eine „schwarze Strahlung“ aus dem Gültigkeitsbereich des Wienschen Gesetzes.

Explained in An energy budget has conditions

[p. 145]§ 8. Über die Erzeugung von Kathodenstrahlen durch Belichtung fester Körper.

[p. 145]Die übliche Auffassung, daß die Energie des Lichtes kontinuierlich über den durchstrahlten Raum verteilt sei, findet bei dem Versuch, die lichtelektrischen Erscheinungen zu erklären, besonders große Schwierigkeiten, welche in einer bahnbrechenden Arbeit von Hrn. Lenard dargelegt sind.[1)]

Explained in More electrons is not more energy per electron

[pp. 145–146]Nach der Auffassung, daß das erregende Licht aus Energiequanten von der Energie (R/N)βν(R/N) \beta \nu bestehe, läßt sich die Erzeugung von Kathodenstrahlen durch Licht folgendermaßen auffassen. In die oberflächliche Schicht des Körpers dringen Energiequanten ein, und deren Energie verwandelt sich wenigstens zum Teil in kinetische Energie von Elektronen. Die einfachste Vorstellung ist die, daß ein Lichtquant seine ganze Energie an ein einziges Elektron abgibt; wir wollen annehmen, daß dies vorkomme. Es soll jedoch nicht ausgeschlossen sein, daß Elektronen die Energie von Lichtquanten nur teilweise aufnehmen. Ein im Innern des Körpers mit kinetischer Energie versehenes Elektron wird, wenn es die Oberfläche erreicht hat, einen Teil seiner kinetischen Energie eingebüßt haben. Außerdem wird anzunehmen sein, daß jedes Elektron beim Verlassen des Körpers eine (für den Körper charakteristische) Arbeit PP zu leisten hat, wenn es den Körper verläßt. Mit der größten Normalgeschwindigkeit werden die unmittelbar an der Oberfläche normal zu dieser erregten Elektronen den Körper verlassen. Die kinetische Energie solcher Elektronen istRNβν−P.\frac{R}{N} \beta \nu - P .Gas constantAvogadro's numberSpectral constant BFrequency of the lightEscape workExplain this equation

Explained in More electrons is not more energy per electron and A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

[p. 146]Ist der Körper zum positiven Potential Π\Pi geladen und von Leitern vom Potential Null umgeben und ist Π\Pi eben imstande, einen Elektrizitätsverlust des Körpers zu verhindern, so muß sein:Πε=RNβν−P,\Pi \varepsilon = \frac{R}{N} \beta \nu - P ,Stopping potentialCharge of one electronGas constantAvogadro's numberSpectral constant BFrequency of the lightEscape workExplain this equation wobei ε\varepsilon die elektrische Masse des Elektrons bedeutet, oderΠE=Rβν−P′,\Pi E = R \beta \nu - P' ,Stopping potentialGram-equivalent chargeGas constantSpectral constant BFrequency of the lightWork function per gram-equivalentExplain this equation wobei EE die Ladung eines Grammäquivalentes eines einwertigen Ions und P′P' das Potential dieser Menge negativer Elektrizität in bezug auf den Körper bedeutet.[1)]

Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

[p. 146]Setzt man E=9,6⋅103E = 9{,}6 \cdot 10^3, so ist Π⋅10−8\Pi \cdot 10^{-8} das Potential in Volts, welches der Körper bei Bestrahlung im Vakuum annimmt.

Explained in More electrons is not more energy per electron

[p. 146]Um zunächst zu sehen, ob die abgeleitete Beziehung der Größenordnung nach mit der Erfahrung übereinstimmt, setzen wir P′=0P' = 0, ν=1,03⋅1015\nu = 1{,}03 \cdot 10^{15} (entsprechend der Grenze des Sonnenspektrums nach dem Ultraviolett hin) und β=4,866⋅10−11\beta = 4{,}866 \cdot 10^{-11}. Wir erhalten Π⋅107=4,3\Pi \cdot 10^7 = 4{,}3 Volt, welches Resultat der Größenordnung nach mit den Resultaten von Hrn. Lenard übereinstimmt.[2)]

Explained in More electrons is not more energy per electron

[p. 146]Ist die abgeleitete Formel richtig, so muß Π\Pi, als Funktion der Frequenz des erregenden Lichtes in kartesischen Koordinaten dargestellt, eine Gerade sein, deren Neigung von der Natur der untersuchten Substanz unabhängig ist.

Explained in More electrons is not more energy per electron

[p. 147]Mit den von Hrn. Lenard beobachteten Eigenschaften der lichtelektrischen Wirkung steht unsere Auffassung, soweit ich sehe, nicht im Widerspruch. Wenn jedes Energiequant des erregenden Lichtes unabhängig von allen übrigen seine Energie an Elektronen abgibt, so wird die Geschwindigkeitsverteilung der Elektronen, d. h. die Qualität der erzeugten Kathodenstrahlung von der Intensität des erregenden Lichtes unabhängig sein; andererseits wird die Anzahl der den Körper verlassenden Elektronen der Intensität des erregenden Lichtes unter sonst gleichen Umständen proportional sein.[1)]

Explained in More electrons is not more energy per electron

[p. 147]Über die mutmaßlichen Gültigkeitsgrenzen der erwähnten Gesetzmäßigkeiten wären ähnliche Bemerkungen zu machen wie bezüglich der mutmaßlichen Abweichungen von der Stokesschen Regel.

Explained in Einstein's own limits on the photoelectric laws

[p. 147]Im vorstehenden ist angenommen, daß die Energie wenigstens eines Teiles der Energiequanten des erzeugenden Lichtes je an ein einziges Elektron vollständig abgegeben werde. Macht man diese naheliegende Voraussetzung nicht, so erhält man statt obiger Gleichung die folgende:ΠE+P′≦Rβν.\Pi E + P' \leqq R \beta \nu .Stopping potentialGram-equivalent chargeWork function per gram-equivalentGas constantSpectral constant BFrequency of the lightExplain this equation

Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

[p. 147]Für die Kathodenlumineszenz, welche den inversen Vorgang zu dem eben betrachteten bildet, erhält man durch eine der durchgeführten analoge Betrachtung:ΠE+P′≧Rβν.\Pi E + P' \geqq R \beta \nu .Stopping potentialGram-equivalent chargeWork function per gram-equivalentGas constantSpectral constant BFrequency of the lightExplain this equation Bei den von Hrn. Lenard untersuchten Substanzen ist PEP E stets bedeutend größer als RβνR \beta \nu, da die Spannung, welche die Kathodenstrahlen durchlaufen haben müssen, um eben sichtbares Licht erzeugen zu können, in einigen Fällen einige Hundert, in anderen Tausende von Volts beträgt.[2)] Es ist also anzunehmen, daß die kinetische Energie eines Elektrons zur Erzeugung vieler Lichtenergiequanten verwendet wird.

Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

[p. 147]§ 9. Über die Ionisierung der Gase durch ultraviolettes Licht.

[pp. 147–148]Wir werden anzunehmen haben, daß bei der Ionisierung eines Gases durch ultraviolettes Licht je ein absorbiertes Lichtenergiequant zur Ionisierung je eines Gasmoleküles verwendet wird. Hieraus folgt zunächst, daß die Ionisierungsarbeit (d. h. die zur Ionisierung theoretisch nötige Arbeit) eines Moleküles nicht größer sein kann als die Energie eines absorbierten wirksamen Lichtenergiequantes. Bezeichnet man mit JJ die (theoretische) Ionisierungsarbeit pro Grammäquivalent, so muß also sein:Rβν≧J.R \beta \nu \geqq J .Gas constantSpectral constant BFrequency of the lightIonization work per gram-equivalentExplain this equation Nach Messungen Lenards ist aber die größte wirksame Wellenlänge für Luft ca. 1,9⋅10−51{,}9 \cdot 10^{-5} cm, alsoRβν=6,4⋅1012 Erg≧J.R \beta \nu = 6{,}4 \cdot 10^{12} \text{ Erg} \geqq J .Gas constantSpectral constant BFrequency of the lightIonization work per gram-equivalentExplain this equation

Explained in A threshold does not specify a yield

[p. 148]Eine obere Grenze für die Ionisierungsarbeit gewinnt man auch aus den Ionisierungsspannungen in verdünnten Gasen. Nach J. Stark[1)] ist die kleinste gemessene Ionisierungsspannung (an Platinanoden) für Luft ca. 10 Volt.[2)] Es ergibt sich also für JJ die obere Grenze 9,6⋅10129{,}6 \cdot 10^{12}, welche nahezu gleich der eben gefundenen ist. Es ergibt sich noch eine andere Konsequenz, deren Prüfung durch das Experiment mir von großer Wichtigkeit zu sein scheint. Wenn jedes absorbierte Lichtenergiequant ein Molekül ionisiert, so muß zwischen der absorbierten Lichtmenge LL und der Anzahl jj der durch dieselbe ionisierten Grammoleküle die Beziehung bestehen:j=LRβν.j = \frac{L}{R \beta \nu} .Ionized gram-moleculesLight energy absorbedGas constantSpectral constant BFrequency of the lightExplain this equation Diese Beziehung muß, wenn unsere Auffassung der Wirklichkeit entspricht, für jedes Gas gelten, welches (bei der betreffenden Frequenz) keine merkliche nicht von Ionisation begleitete Absorption aufweist.

Explained in A threshold does not specify a yield

[p. 148]
Bern, den 17. März 1905.
[p. 148]
(Eingegangen 18. März 1905.)

Fußnoten

  1. 1) Diese Annahme ist gleichbedeutend mit der Voraussetzung, daß die mittleren kinetischen Energien von Gasmolekülen und Elektronen bei Temperaturgleichgewicht einander gleich seien. Mit Hilfe letzterer Voraussetzung hat Hr. Drude bekanntlich das Verhältnis von thermischem und elektrischem Leitungsvermögen der Metalle auf theoretischem Wege abgeleitet. ↩

    Explained in Two assumptions under the equilibrium of section 1

  2. 1) M. Planck, Ann. d. Phys. 1. p. 99. 1900. ↩

    Explained in A finite window cannot cure an infinite total

  3. 2) Diese Voraussetzung läßt sich folgendermaßen formulieren. Wir entwickeln die ZZ-Komponente der elektrischen Kraft (Z)(Z) in einem beliebigen Punkte des betreffenden Raumes zwischen den Zeitgrenzen t=0t = 0 und t=Tt = T (wobei TT eine relativ zu allen in Betracht zu ziehenden Schwingungsdauern sehr große Zeit bedeute) in eine Fouriersche ReiheZ=∑ν=1ν=∞Aνsin⁡(2πνtT+αν),Z = \sum_{\nu = 1}^{\nu = \infty} A_\nu \sin\left(2 \pi \nu \frac{t}{T} + \alpha_\nu\right) ,Radiation electric fieldFrequency of the lightFourier amplitudeElapsed timeLong averaging intervalFourier phaseExplain this equation wobei Aν≧0A_\nu \geqq 0 und 0≦αν≦2π0 \leqq \alpha_\nu \leqq 2 \pi. Denkt man sich in demselben Raumpunkte eine solche Entwickelung beliebig oft bei zufällig gewählten Anfangspunkten der Zeit ausgeführt, so wird man für die Größen AνA_\nu und αν\alpha_\nu verschiedene Wertsysteme erhalten. Es existieren dann für die Häufigkeit der verschiedenen Wertekombinationen der Größen AνA_\nu und αν\alpha_\nu (statistische) Wahrscheinlichkeiten dWd W von der Form:dW=f(A1A2…α1α2…)dA1dA2…dα1dα2…d W = f(A_1 A_2 \ldots \alpha_1 \alpha_2 \ldots) d A_1 d A_2 \ldots d \alpha_1 d \alpha_2 \ldotsProbability of the Fourier valuesFourier amplitudeFourier amplitudeFourier phaseFourier phaseExplain this equation Die Strahlung ist dann eine denkbar ungeordnetste, wennf(A1,A2…α1,α2…)=F1(A1)F2(A2)…f1(α1)⋅f2(α2)…,f(A_1, A_2 \ldots \alpha_1, \alpha_2 \ldots) = F_1(A_1) F_2(A_2) \ldots f_1(\alpha_1) \cdot f_2(\alpha_2) \ldots ,Fourier amplitudeFourier amplitudeFourier phaseFourier phaseExplain this equation d. h. wenn die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Wertes einer der Größen AA bez. α\alpha von den Werten, welche die anderen Größen AA bez. xx besitzen, unabhängig ist. Mit je größerer Annäherung die Bedingung erfüllt ist, daß die einzelnen Paare von Größen AνA_\nu und αν\alpha_\nu von Emissions- und Absorptionsprozessen besonderer Resonatorengruppen abhängen, mit desto größerer Annäherung wird also in dem von uns betrachteten Falle die Strahlung als eine „denkbar ungeordnetste“ anzusehen sein. ↩

    Explained in Two assumptions under the equilibrium of section 1

  4. 1) M. Planck, Ann. d. Phys. 4. p. 561. 1901. ↩

    Explained in A spectral fit is not yet a free-light hypothesis

  5. 1) Diese Annahme ist eine willkürliche. Man wird naturgemäß an dieser einfachsten Annahme so lange festhalten, als nicht das Experiment dazu zwingt, sie zu verlassen. ↩

    Explained in A spectrum can determine an entropy derivative

  6. 1) Ist EE die Energie des Systems, so erhält man:−d(E−TS)=pdv=TdS=RnNdvv;- d(E - T S) = p d v = T d S = R \frac{n}{N} \frac{d v}{v} ;System energyTemperature of the radiationEntropyGas pressureVolumeGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberExplain this equationSo printed. Read: - d(E - T S) = p d v = T d S = R (n/N) T (d v / v). The chain equates three energies and then an entropy. The record in the correction log alsopv=RnNT.p v = R \frac{n}{N} T.Gas pressureVolumeGas constantNumber of independent pointsAvogadro's numberTemperature of the radiationExplain this equation ↩

    Explained in Independence supplies the exponent

  7. 1) P. Lenard, Ann. d. Phys. 8. p. 169 u. 170. 1902. ↩

    Explained in More electrons is not more energy per electron

  8. 1) Nimmt man an, daß das einzelne Elektron durch das Licht aus einem neutralen Molekül unter Aufwand einer gewissen Arbeit losgelöst werden muß, so hat man an der abgeleiteten Beziehung nichts zu ändern; nur ist dann P′P' als Summe von zwei Summanden aufzufassen. ↩

    Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

  9. 2) P. Lenard, Ann. d. Phys. 8. p. 165 u. 184. Taf. I, Fig. 2. 1902. ↩

    Explained in More electrons is not more energy per electron

  10. 1) P. Lenard, l. c. p. 150 und p. 166—168. ↩

    Explained in More electrons is not more energy per electron

  11. 2) P. Lenard, Ann. d. Phys. 12. p. 469. 1903. ↩

    Explained in A stopping voltage is a magnitude with a sign convention

  12. 1) J. Stark, Die Elektrizität in Gasen p. 57. Leipzig 1902. ↩

    Explained in A threshold does not specify a yield

  13. 2) Im Gasinnern ist die Ionisierungsspannung für negative Ionen allerdings fünfmal größer. ↩

    Explained in A threshold does not specify a yield

Page 132 as printed in Annalen der Physik, volume 17.
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