Quelle
Zur Elektrodynamik bewegter Körper
Bern, Juni 1905.
Annalen der Physik (4) 17, 891–921 (1905).
[p. 892]I. Kinematischer Teil.
[p. 907]II. Eektrodynamischer Teil.
[p. 917]§ 10. Dynamik des (langsam beschleunigten) Elektrons.
[p. 917]In einem elektromagnetischen Felde bewege sich ein punktförmiges, mit einer elektrischen Ladung versehenes Teilchen (im folgenden „Elektron“ genannt), über dessen Bewegungsgesetz wir nur folgendes annehmen:
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[p. 917]Ruht das Elektron in einer bestimmten Epoche, so erfolgt in dem nächsten Zeitteilchen die Bewegung des Elektrons nach den GleichungenElectron massPosition in the stationary systemTime in the stationary systemElectron chargeElectric field, stationary systemPosition in the stationary systemElectric field, stationary systemPosition in the stationary systemElectric field, stationary systemExplain this equation wobei , , die Koordinaten des Elektrons, die Masse des Elektrons bedeutet, sofern dasselbe langsam bewegt ist.
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[p. 917]Es besitze nun zweitens das Elektron in einer gewissen Zeitepoche die Geschwindigkeit . Wir suchen das Gesetz, nach welchem sich das Elektron im unmittelbar darauf folgenden Zeitteilchen bewegt.
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[pp. 917–918]Ohne die Allgemeinheit der Betrachtung zu beeinflussen, können und wollen wir annehmen, daß das Elektron in dem Momente, wo wir es ins Auge fassen, sich im Koordinatensprung befinde und sich längs der -Achse des Systems mit der Geschwindigkeit bewege. Es ist dann einleuchtend, daß das Elektron im genannten Momente () relativ zu einem längs der -Achse mit der konstanten Geschwindigkeit parallelbewegten Koordinatensystem ruht.
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[p. 918]Aus der oben gemachten Voraussetzung in Verbindung mit dem Relativitätsprinzip ist klar, daß sich das Elektron in der unmittelbar folgenden Zeit (für kleine Werte von ) vom System aus betrachtet nach den Gleichungen bewegt:Electron massPosition in the moving systemTime in the moving systemElectron chargeElectric field, moving systemPosition in the moving systemElectric field, moving systemPosition in the moving systemElectric field, moving systemExplain this equation wobei die Zeichen , , , , , , sich auf das System beziehen. Setzen wir noch fest, daß für sein soll, so gelten die Transformationsgleichungen der §§ 3 und 6, so daß gilt:Time in the moving systemLorentz factorTime in the stationary systemSpeed of the moving systemSpeed of lightPosition in the stationary systemPosition in the moving systemElectric field, moving systemElectric field, stationary systemPosition in the moving systemPosition in the stationary systemElectric field, moving systemElectric field, stationary systemMagnetic field, stationary systemPosition in the moving systemPosition in the stationary systemElectric field, moving systemElectric field, stationary systemMagnetic field, stationary systemExplain this equation
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[p. 918]Mit Hilfe dieser Gleichungen transformieren wir die obigen Bewegungsgleichungen vom System auf das System und erhalten:Position in the stationary systemTime in the stationary systemElectron chargeElectron massLorentz factorElectric field, stationary systemPosition in the stationary systemElectric field, stationary systemSpeed of the moving systemSpeed of lightMagnetic field, stationary systemPosition in the stationary systemElectric field, stationary systemMagnetic field, stationary systemExplain this equation
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[pp. 918–919]Wir fragen nun in Anlehnung an die übliche Betrachtungsweise nach der „longitudinalen“ und „transversalen“ Masse des bewegten Elektrons. Wir schreiben die Gleichungen (A) in der FormElectron massLorentz factorPosition in the stationary systemTime in the stationary systemElectron chargeElectric field, stationary systemElectric field, moving systemPosition in the stationary systemElectric field, stationary systemSpeed of the moving systemSpeed of lightMagnetic field, stationary systemElectric field, moving systemPosition in the stationary systemElectric field, stationary systemMagnetic field, stationary systemElectric field, moving systemExplain this equationSo printed. Read: μ β² d²z/dt² = ε β (Z + (v/V) M) = ε Z'. The display that rewrites equations (A) prints three rows, and the z row's coefficient carries β³ where the paper's own steps give β². The record in the correction log und bemerken zunächst, daß , , die Komponenten der auf das Elektron wirkenden ponderomotorischen Kraft sind, und zwar in einem in diesem Moment mit dem Elektron mit gleicher Geschwindigkeit wie dieses bewegten System betrachtet. (Diese Kraft könnte beispielsweise mit einer im letzten System ruhenden Federwage gemessen werden.) Wenn wir nun diese Kraft schlechtweg „die auf das Elektron wirkende Kraft“ nennen und die GleichungExplain this equation aufrechterhalten, und wenn wir ferner festsetzen, daß die Beschleunigungen im ruhenden System gemessen werden sollen, so erhalten wir aus obigen Gleichungen:Electron massSpeed of the moving systemSpeed of lightExplain this equationElectron massSpeed of the moving systemSpeed of lightExplain this equation
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[p. 919]Natürlich würde man bei anderer Definition der Kraft und der Beschleunigung andere Zahlen für die Massen erhalten; man ersieht daraus, daß man bei der Vergleichung verschiedener Theorien der Bewegung des Elektrons sehr vorsichtig verfahren muß.
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[p. 919]Wir bemerken, daß diese Resultate über die Masse auch für die ponderabeln materiellen Punkte gilt; denn ein ponderabler materieller Punkt kann durch Zufügen einer beliebig kleinen elektrischen Ladung zu einem Elektron (in unserem Sinne) gemacht werden.
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[pp. 919–920]Wir bestimmen die kinetische Energie des Elektrons. Bewegt sich ein Elektron vom Koordinatenursprung des Systems aus mit der Anfangsgeschwindigkeit 0 beständig auf der -Achse unter der Wirkung einer elektrostatischen Kraft , so ist klar, daß die dem elektrostatischen Felde entzogene Energie den Wert hat. Da das Elektron langsam beschleunigt sein soll und infolgedessen keine Energie in Form von Strahlung abgeben möge, so muß die dem elektrostatischen Felde entzogene Energie gleich der Bewegungsenergie des Elektrons gesetzt werden. Man erhält daher, indem man beachtet, daß während des ganzen betrachteten Bewegungsvorganges die erste der Gleichungen (A) gilt:Kinetic energyElectron chargeElectric field, stationary systemPosition in the stationary systemSpeed of the moving systemLorentz factorElectron massSpeed of lightExplain this equationSo printed. Read: W = ∫ ε X dx = μ ∫₀^v β³ v dv = μ V² { 1/√(1-(v/V)²) - 1 }. The middle member omits the mass factor μ carried by the first equation of system (A) (d²x/dt² = (ε/μ) β⁻³ X), so as printed the middle member does not equal the outer two. The record in the correction log
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[p. 920] wird also für unendlich groß. Überlichtgeschwindigkeiten haben — wie bei unseren früheren Resultaten — keine Existenzmöglichkeit.
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[p. 920]Auch dieser Ausdruck für die kinetische Energie muß dem oben angeführten Argument zufolge ebenso für ponderable Massen gelten.
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[p. 920]Wir wollen nun die aus dem Gleichungssystem (A) resultierenden, dem Experimente zugänglichen Eigenschaften der Bewegung des Elektrons aufzählen.
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[p. 920]1. Aus der zweiten Gleichung des Systems (A) folgt, daß eine elektrische Kraft und eine magnetische Kraft dann gleich stark ablenkend wirken auf ein mit der Geschwindigkeit bewegtes Elektron, wenn . Man ersieht also, daß die Ermittelung der Geschwindigkeit des Elektrons aus dem Verhältnis der magnetischen Ablenkbarkeit und der elektrischen Ablenkbarkeit nach unserer Theorie für beliebige Geschwindigkeiten möglich ist durch Anwendung des Gesetzes:Magnetic deflectabilityElectric deflectabilitySpeed of the moving systemSpeed of lightExplain this equation
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[p. 920]Diese Beziehung ist der Prüfung durch das Experiment zugänglich, da die Geschwindigkeit des Elektrons auch direkt, z. B. mittels rasch oszillierender elektrischer und magnetischer Felder, gemessen werden kann.
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[pp. 920–921]2. Aus der Ableitung für die kinetische Energie des Elektrons folgt, daß zwischen der durchlaufenen Potentialdifferenz und der erlangten Geschwindigkeit des Elektrons die Beziehung gelten muß:Accelerating voltageElectric field, stationary systemPosition in the stationary systemElectron massElectron chargeSpeed of lightSpeed of the moving systemExplain this equation
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[p. 921]3. Wir berechnen den Krümmungsradius der Bahn, wenn eine senkrecht zur Geschwindigkeit des Elektrons wirkende magnetische Kraft (als einzige ablenkende Kraft) vorhanden ist. Aus der zweiten der Gleichungen (A) erhalten wir:Position in the stationary systemTime in the stationary systemSpeed of the moving systemRadius of the circular pathElectron chargeElectron massSpeed of lightMagnetic field, stationary systemExplain this equation oderRadius of the circular pathSpeed of lightElectron massElectron chargeSpeed of the moving systemMagnetic field, stationary systemExplain this equation
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[p. 921]Diese drei Beziehungen sind ein vollständiger Ausdruck für die Gesetze, nach denen sich gemäß vorliegender Theorie das Elektron bewegen muß.
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