Quelle

Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen

von A. Einstein

Annalen der Physik (4) 17, 549–560 (1905).

[p. 549]
Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen;
[p. 549]
von A. Einstein.

[p. 549]In dieser Arbeit soll gezeigt werden, daß nach der molekularkinetischen Theorie der Wärme in Flüssigkeiten suspendierte Körper von mikroskopisch sichtbarer Größe infolge der Molekularbewegung der Wärme Bewegungen von solcher Größe ausführen müssen, daß diese Bewegungen leicht mit dem Mikroskop nachgewiesen werden können. Es ist möglich, daß die hier zu behandelnden Bewegungen mit der sogenannten „Brownschen Molekularbewegung“ identisch sind; die mir erreichbaren Angaben über letztere sind jedoch so ungenau, daß ich mir hierüber kein Urteil bilden konnte.

Explained in What the paper sets out to show, and what would decide it

[p. 549]Wenn sich die hier zu behandelnde Bewegung samt den für sie zu erwartenden Gesetzmäßigkeiten wirklich beobachten läßt, so ist die klassische Thermodynamik schon für mikroskopisch unterscheidbare Räume nicht mehr als genau gültig anzusehen und es ist dann eine exakte Bestimmung der wahren Atomgröße möglich. Erwiese sich umgekehrt die Voraussage dieser Bewegung als unzutreffend, so wäre damit ein schwerwiegendes Argument gegen die molekularkinetische Auffassung der Wärme gegeben.

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[p. 549]§ 1. Über den suspendierten Teilchen zuzuschreibenden osmotischen Druck.

[pp. 549–550]Im Teilvolumen V∗V^* einer Flüssigkeit vom Gesamtvolumen VV seien zz-Gramm-Moleküle eines Nichtelektrolyten gelöst. Ist das Volumen V∗V^* durch eine für das Lösungsmittel, nicht aber für die gelöste Substanz durchlässige Wand vom reinen Lösungsmittel getrennt, so wirkt auf diese Wand der sogenannte osmotische Druck, welcher bei genügend großen Werten von V∗/zV^*/z der Gleichung genügt:pV∗=RTz.p V^* = R T z.Osmotic pressureVolumeGas constantAbsolute temperatureSolute amountExplain this equation

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[p. 550]Sind hingegen statt der gelösten Substanz in dem Teilvolumen V∗V^* der Flüssigkeit kleine suspendierte Körper vorhanden, welche ebenfalls nicht durch die für das Lösungsmittel durchlässige Wand hindurchtreten können, so hat man nach der klassischen Theorie der Thermodynamik — wenigstens bei Vernachlässigung der uns hier nicht interessierenden Schwerkraft — nicht zu erwarten, daß auf die Wand eine Kraft wirke; denn die „freie Energie“ des Systems scheint nach der üblichen Auffassung nicht von der Lage der Wand und der suspendierten Körper abzuhängen, sondern nur von den Gesamtmassen und Qualitäten der suspendierten Substanz, der Flüssigkeit und der Wand, sowie von Druck und Temperatur. Es kämen allerdings für die Berechnung der freien Energie noch Energie und Entropie der Grenzflächen in Betracht (Kapillarkräfte); hiervon können wir jedoch absehen, indem bei den ins Auge zu fassenden Lagenänderungen der Wand und der suspendierten Körper Änderungen der Größe und Beschaffenheit der Berührungsflächen nicht eintreten mögen.

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[pp. 550–551]Vom Standpunkte der molekularkinetischen Wärmetheorie aus kommt man aber zu einer anderen Auffassung. Nach dieser Theorie unterscheidet sich ein gelöstes Molekül von einem suspendierten Körper lediglich durch die Größe, und man sieht nicht ein, warum einer Anzahl suspendierter Körper nicht derselbe osmotische Druck entsprechen sollte, wie der nämlichen Anzahl gelöster Moleküle. Man wird anzunehmen haben, daß die suspendierten Körper infolge der Molekularbewegung der Flüssigkeit eine wenn auch sehr langsame ungeordnete Bewegung in der Flüssigkeit ausführen; werden sie durch die Wand verhindert, das Volumen V∗V^* zu verlassen, so werden sie auf die Wand Kräfte ausüben, ebenso wie gelöste Moleküle. Sind also nn suspendierte Körper im Volumen V∗V^*, also n/V∗=νn/V^* = \nu in der Volumeneinheit vorhanden, und sind benachbarte unter ihnen genügend weit voneinander entfernt, so wird ihnen ein osmotischer Druck pp entsprechen von der Größe:p=RTV∗nN=RTN⋅ν,p = \frac{R T}{V^*} \frac{n}{N} = \frac{R T}{N} \cdot \nu,Osmotic pressureGas constantAbsolute temperatureVolumeParticle countAvogadro's numberNumber densityExplain this equation wobei NN die Anzahl der in einem Gramm-Molekül enthaltenen wirklichen Moleküle bedeutet. Im nächsten Paragraph soll gezeigt werden, daß die molekularkinetische Theorie der Wärme wirklich zu dieser erweiterten Auffassung des osmotischen Druckes führt.

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[p. 551]§ 2. Der osmotische Druck vom Standpunkte der molekularkinetischen Theorie der Wärme.[1)]

[p. 551]Sind p1p2…plp_1 p_2 \ldots p_l Zustandsvariable eines physikalischen Systems, welche den momentanen Zustand desselben vollkommen bestimmen (z. B. die Koordinaten und Geschwindigkeitskomponenten aller Atome des Systems) und ist das vollständige System der Veränderungsgleichungen dieser Zustandsvariabeln von der Form∂pν∂t=φν(p1…pl)(ν=1,2…l)\frac{\partial p_\nu}{\partial t} = \varphi_\nu(p_1 \ldots p_l) \quad (\nu = 1, 2 \ldots l)State variableElapsed timeState variable rateState variableState variableExplain this equation gegeben, wobei ∑∂φν∂pν=0\sum \frac{\partial \varphi_\nu}{\partial p_\nu} = 0, so ist die Entropie des Systems durch den Ausdruck gegeben:S=EˉT+2ϰlg⁡∫e−E2ϰTdp1…dpl.S = \frac{\bar{E}}{T} + 2 \varkappa \lg \int e^{-\frac{E}{2 \varkappa T}} d p_1 \ldots d p_l.EntropySystem energyAbsolute temperatureBoltzmann constantMicrostate energyState variableState variableExplain this equation Hierbei bedeutet TT die absolute Temperatur, Eˉ\bar{E} die Energie des Systems, EE die Energie als Funktion der pνp_\nu. Das Integral ist über alle mit den Bedingungen des Problems vereinbaren Wertekombinationen der pνp_\nu zu erstrecken. ϰ\varkappa ist mit der oben erwähnten Konstanten NN durch die Relation 2ϰN=R2 \varkappa N = R verbunden. Für die freie Energie FF erhalten wir daher:F=−RNTlg⁡∫e−ENRTdp1…dpl=−RTNlg⁡B.F = -\frac{R}{N} T \lg \int e^{-\frac{E N}{R T}} d p_1 \ldots d p_l = -\frac{R T}{N} \lg B.Free energyGas constantAvogadro's numberAbsolute temperatureMicrostate energyState variableState variableConfiguration integralExplain this equation

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[p. 552]Wir denken uns nun eine in dem Volumen VV eingeschlossene Flüssigkeit; in dem Teilvolumen V∗V^* von VV mögen sich nn gelöste Moleküle bez. suspendierte Körper befinden, welche im Volumen V∗V^* durch eine semipermeabele Wand festgehalten seien; es werden hierdurch die Integrationsgrenzen des in den Ausdrücken für SS und FF auftretenden Integrales BB beeinflußt. Das Gesamtvolumen der gelösten Moleküle bez. suspendierten Körper sei klein gegen V∗V^*. Dies System werde im Sinne der erwähnten Theorie durch die Zustandsvariabeln p1…plp_1 \ldots p_l vollständig dargestellt.

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[p. 552]Wäre nun auch das molekulare Bild bis in alle Einzelheiten festgelegt, so böte doch die Ausrechnung des Integrales BB solche Schwierigkeiten, daß an eine exakte Berechnung von FF kaum gedacht werden könnte. Wir brauchen jedoch hier nur zu wissen, wie FF von der Größe des Volumens V∗V^* abhängt, in welchem alle gelösten Moleküle bez. suspendierten Körper (im folgenden kurz „Teilchen“ genannt) enthalten sind.

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[pp. 552–553]Wir nennen x1,y1,z1x_1, y_1, z_1 die rechtwinkligen Koordinaten des Schwerpunktes des ersten Teilchens, x2,y2,z2x_2, y_2, z_2 die des zweiten etc., xn,yn,znx_n, y_n, z_n die des letzten Teilchens und geben für die Schwerpunkte der Teilchen die unendlich kleinen parallelepipedförmigen Gebiete dx1dy1dz1,dx2dy2dz2…dxndyndznd x_1 d y_1 d z_1, d x_2 d y_2 d z_2 \ldots d x_n d y_n d z_n, welche alle in V∗V^* gelegen seien. Gesucht sei der Wert des im Ausdruck für FF auftretenden Integrales mit der Beschränkung, daß die Teilchenschwerpunkte in den ihnen soeben zugewiesenen Gebieten liegen. Dies Integral läßt sich jedenfalls auf die FormdB=dx1dy1…dzn⋅Jd B = d x_1 d y_1 \ldots d z_n \cdot JConfiguration integralLatent position (one dimension)Latent position (one dimension)Latent position (one dimension)Configuration integral factorExplain this equation bringen, wobei JJ von dx1dy1d x_1 d y_1 etc., sowie von V∗V^*, d. h. von der Lage der semipermeabeln Wand, unabhängig ist. JJ ist aber auch unabhängig von der speziellen Wahl der Lagen der Schwerpunktsgebiete und von dem Werte von V∗V^*, wie sogleich gezeigt werden soll. Sei nämlich ein zweites System von unendlich kleinen Gebieten für die Teilchenschwerpunkte gegeben und bezeichnet durch dx1′dy1′dz2′,dx2′dy2′dz2′…dxn′dyn′dzn′d x'_1 d y'_1 d z'_2, d x'_2 d y'_2 d z'_2 \ldots d x'_n d y'_n d z'_n, welche Gebiete sich von den ursprünglich gegebenen nur durch ihre Lage, nicht aber durch ihre Größe unterscheiden mögen und ebenfalls alle in V∗V^* enthalten seien, so gilt analog:dB′=dx1′dy1′…dzn′⋅J′,d B' = d x'_1 d y'_1 \ldots d z'_n \cdot J',Configuration integralLatent position (one dimension)Latent position (one dimension)Latent position (one dimension)Configuration integral factorExplain this equation wobeidx1dy1…dzn=dx1′dy1′…dzn′.d x_1 d y_1 \ldots d z_n = d x'_1 d y'_1 \ldots d z'_n.Latent position (one dimension)Latent position (one dimension)Latent position (one dimension)Latent position (one dimension)Latent position (one dimension)Latent position (one dimension)Explain this equation Es ist also:dBdB′=JJ′.\frac{d B}{d B'} = \frac{J}{J'}.Configuration integralConfiguration integralConfiguration integral factorConfiguration integral factorExplain this equation

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[p. 553]Aus der in den zitierten Arbeiten gegebenen molekularen Theorie der Wärme läßt sich aber leicht folgern[1)], daß dB/Bd B/B bez. dB′/Bd B'/B gleich ist der Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich in einem beliebig herausgegriffenen Zeitpunkte die Teilchenschwerpunkte in den Gebieten (dx1…dzn)(d x_1 \ldots d z_n) bez. in den Gebieten (dx1′…dzn′)(d x'_1 \ldots d z'_n) befinden. Sind nun die Bewegungen der einzelnen Teilchen (mit genügender Annäherung) voneinander unabhängig, ist die Flüssigkeit homogen und wirken auf die Teilchen keine Kräfte, so müssen bei gleicher Größe der Gebiete die den beiden Gebietssystemen zukommenden Wahrscheinlichkeiten einander gleich sein, so daß gilt:dBB=dB′B.\frac{d B}{B} = \frac{d B'}{B}.Configuration integralConfiguration integralExplain this equation Aus dieser und aus der zuletzt gefundenen Gleichung folgt aberJ=J′.J = J'.Configuration integral factorConfiguration integral factorExplain this equation

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[p. 553]Es ist somit erwiesen, daß JJ weder von V∗V^* noch von x1,y1…znx_1, y_1 \ldots z_n abhängig ist. Durch Integration erhält manB=∫Jdx1…dzn=JV∗nB = \int J d x_1 \ldots d z_n = J V^{*n}Configuration integralConfiguration integral factorLatent position (one dimension)Latent position (one dimension)VolumeParticle countExplain this equation und darausF=−RTN{lg⁡J+nlg⁡V∗}F = -\frac{R T}{N} \{ \lg J + n \lg V^* \}Free energyGas constantAbsolute temperatureAvogadro's numberConfiguration integral factorParticle countVolumeExplain this equation undp=−∂F∂V∗=RTV∗nN=RTNν.p = -\frac{\partial F}{\partial V^*} = \frac{R T}{V^*} \frac{n}{N} = \frac{R T}{N} \nu.Osmotic pressureFree energyVolumeGas constantAbsolute temperatureParticle countAvogadro's numberNumber densityExplain this equation

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[p. 553]Durch diese Betrachtung ist gezeigt, daß die Existenz des osmotischen Druckes eine Konsequenz der molekularkinetischen Theorie der Wärme ist, und daß nach dieser Theorie gelöste Moleküle und suspendierte Körper von gleicher Anzahl sich in bezug auf osmotischen Druck bei großer Verdünnung vollkommen gleich verhalten.

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[p. 554]§ 3. Theorie der Diffusion kleiner suspendierter Kugeln.

[p. 554]In einer Flüssigkeit seien suspendierte Teilchen regellos verteilt. Wir wollen den dynamischen Gleichgewichtszustand derselben untersuchen unter der Voraussetzung, daß auf die einzelnen Teilchen eine Kraft KK wirkt, welche vom Orte, nicht aber von der Zeit abhängt. Der Einfachheit halber werde angenommen, daß die Kraft überall die Richtung der XX-Achse habe.

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[p. 554]Es sei ν\nu die Anzahl der suspendierten Teilchen pro Volumeneinheit, so ist im Falle des thermodynamischen Gleichgewichtes ν\nu eine solche Funktion von xx, daß für eine beliebige virtuelle Verrückung δx\delta x der suspendierten Substanz die Variation der freien Energie verschwindet. Man hat also:δF=δE−TδS=0.\delta F = \delta E - T \delta S = 0.Free energySystem energyAbsolute temperatureEntropyExplain this equation Es werde angenommen, daß die Flüssigkeit senkrecht zur XX-Achse den Querschnitt 1 habe und durch die Ebenen x=0x = 0 und x=lx = l begrenzt sei. Man hat dann:δE=−∫0lKνδxdx\delta E = -\int_0^l K \nu \delta x d xSystem energyColumn lengthExternal force per particleNumber densityExplain this equation undδS=∫0lRνN∂δx∂xdx=−RN∫0l∂ν∂xδxdx.\delta S = \int_0^l R \frac{\nu}{N} \frac{\partial \delta x}{\partial x} d x = -\frac{R}{N} \int_0^l \frac{\partial \nu}{\partial x} \delta x d x.EntropyColumn lengthGas constantNumber densityAvogadro's numberExplain this equation Die gesuchte Gleichgewichtsbedingung ist also:−Kν+RTN∂ν∂x=0-K \nu + \frac{R T}{N} \frac{\partial \nu}{\partial x} = 0External force per particleNumber densityGas constantAbsolute temperatureAvogadro's numberExplain this equation oderKν−∂p∂x=0.K \nu - \frac{\partial p}{\partial x} = 0.External force per particleNumber densityOsmotic pressureExplain this equation Die letzte Gleichung sagt aus, daß der Kraft KK durch osmotische Druckkräfte das Gleichgewicht geleistet wird.

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[pp. 554–555]Die Gleichung (1) benutzen wir, um den Diffusionskoeffizienten der suspendierten Substanz zu ermitteln. Wir können den eben betrachteten dynamischen Gleichgewichtszustand als die Superposition zweier in umgekehrtem Sinne verlaufender Prozesse auffassen, nämlich
1. einer Bewegung der suspendierten Substanz unter der Wirkung der auf jedes einzelne suspendierte Teilchen wirkenden Kraft KK,
2. eines Diffusionsvorganges, welcher als Folge der ungeordneten Bewegungen der Teilchen infolge der Molekularbewegung der Wärme aufzufassen ist.

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[p. 555]Haben die suspendierten Teilchen Kugelform (Kugelradius PP) und besitzt die Flüssigkeit den Reibungskoeffizienten kk, so erteilt die Kraft KK dem einzelnen Teilchen die Geschwindigkeit[1)]K6πkP,\frac{K}{6 \pi k P},External force per particleDynamic viscosityParticle radiusExplain this equation und es treten durch die Querschnittseinheit pro ZeiteinheitνK6πkP\frac{\nu K}{6 \pi k P}Number densityExternal force per particleDynamic viscosityParticle radiusExplain this equation Teilchen hindurch.

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[p. 555]Bezeichnet ferner DD den Diffusionskoeffizienten der suspendierten Substanz und μ\mu die Masse eines Teilchens, so treten pro Zeiteinheit infolge der Diffusion−D∂(μν)∂xGramm-D \frac{\partial (\mu \nu)}{\partial x} \quad \text{Gramm}Diffusion coefficientParticle massNumber densityExplain this equation oder−D∂ν∂x-D \frac{\partial \nu}{\partial x}Diffusion coefficientNumber densityExplain this equation Teilchen durch die Querschnittseinheit. Da dynamisches Gleichgewicht herrschen soll, so muß sein:νK6πkP−D∂ν∂x=0.\frac{\nu K}{6 \pi k P} - D \frac{\partial \nu}{\partial x} = 0.Number densityExternal force per particleDynamic viscosityParticle radiusDiffusion coefficientExplain this equation

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[pp. 555–556]Aus den beiden für das dynamische Gleichgewicht gefundenen Bedingungen (1) und (2) kann man den Diffusionskoeffizienten berechnen. Man erhält:D=RTN16πkP.D = \frac{R T}{N} \frac{1}{6 \pi k P}.Diffusion coefficientGas constantAbsolute temperatureAvogadro's numberDynamic viscosityParticle radiusExplain this equation Der Diffusionskoeffizient der suspendierten Substanz hängt also außer von universellen Konstanten und der absoluten Temperatur nur vom Reibungskoeffizienten der Flüssigkeit und von der Größe der suspendierten Teilchen ab.

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[p. 556]§ 4. Über die ungeordnete Bewegung von in einer Flüssigkeit suspendierten Teilchen und deren Beziehung zur Diffusion.

[p. 556]Wir gehen nun dazu über, die ungeordneten Bewegungen genauer zu untersuchen, welche, von der Molekularbewegung der Wärme hervorgerufen, Anlaß zu der im letzten Paragraphen untersuchten Diffusion geben.

Explained in From a step law to a density law

[p. 556]Es muß offenbar angenommen werden, daß jedes einzelne Teilchen eine Bewegung ausführe, welche unabhängig ist von der Bewegung aller anderen Teilchen; es werden auch die Bewegungen eines und desselben Teilchens in verschiedenen Zeitintervallen als voneinander unabhängige Vorgänge aufzufassen sein, solange wir diese Zeitintervalle nicht zu klein gewählt denken.

Explained in Why the square grows with time

[p. 556]Wir führen ein Zeitintervall τ\tau in die Betrachtung ein, welches sehr klein sei gegen die beobachtbaren Zeitintervalle, aber doch so groß, daß die in zwei aufeinanderfolgenden Zeitintervallen τ\tau von einem Teilchen ausgeführten Bewegungen als voneinander unabhängige Ereignisse aufzufassen sind.

Explained in Why the square grows with time and From a step law to a density law

[p. 556]Seien nun in einer Flüssigkeit im ganzen nn suspendierte Teilchen vorhanden. In einem Zeitintervall τ\tau werden sich die XX-Koordinaten der einzelnen Teilchen um Δ\Delta vergrößern, wobei Δ\Delta für jedes Teilchen einen anderen (positiven oder negativen) Wert hat. Es wird für Δ\Delta ein gewisses Häufigkeitsgesetz gelten; die Anzahl dnd n der Teilchen, welche in dem Zeitintervall τ\tau eine Verschiebung erfahren, welche zwischen Δ\Delta und Δ+dΔ\Delta + d \Delta liegt, wird durch eine Gleichung von der Formdn=nφ(Δ)dΔd n = n \varphi(\Delta) d \DeltaParticle countJump densityDisplacement in one intervalExplain this equation ausdrückbar sein, wobei∫−∞+∞φ(Δ)dΔ=1\int_{-\infty}^{+\infty} \varphi(\Delta) d \Delta = 1Jump densityDisplacement in one intervalExplain this equation und φ\varphi nur für sehr kleine Werte von Δ\Delta von Null verschieden ist und die Bedingungφ(Δ)=φ(−Δ)\varphi(\Delta) = \varphi(-\Delta)Jump densityDisplacement in one intervalExplain this equation erfüllt.

Explained in From a step law to a density law

[p. 557]Wir untersuchen nun, wie der Diffusionskoeffizient von φ\varphi abhängt, wobei wir uns wieder auf den Fall beschränken, daß die Anzahl ν\nu der Teilchen pro Volumeneinheit nur von xx und tt abhängt.

Explained in From a step law to a density law

[pp. 557–558]Es sei ν=f(x,t)\nu = f(x, t) die Anzahl der Teilchen pro Volumeneinheit, wir berechnen die Verteilung der Teilchen zur Zeit t+τt + \tau aus deren Verteilung zur Zeit tt. Aus der Definition der Funktion φ(Δ)\varphi(\Delta) ergibt sich leicht die Anzahl der Teilchen, welche sich zur Zeit t+τt + \tau zwischen zwei zur XX-Achse senkrechten Ebenen mit den Abszissen xx und x+dxx + d x befinden. Man erhält:f(x,t+τ)dx=dx⋅∫Δ=−∞Δ=+∞f(x+Δ)φ(Δ)dΔ.f(x, t + \tau) d x = d x \cdot \int_{\Delta = -\infty}^{\Delta = +\infty} f(x + \Delta) \varphi(\Delta) d \Delta.Number densityTimeStep intervalDisplacement in one intervalJump densityExplain this equation Nun können wir aber, da τ\tau sehr klein ist, setzen:f(x,t+τ)=f(x,t)+τ∂f∂t.f(x, t + \tau) = f(x, t) + \tau \frac{\partial f}{\partial t}.Number densityTimeStep intervalExplain this equation Ferner entwickeln wir f(x+Δ,t)f(x + \Delta, t) nach Potenzen von Δ\Delta:f(x+Δ,t)=f(x,t)+Δ∂f(x,t)∂x+Δ22!∂2f(x,t)∂x2… in inf.f(x + \Delta, t) = f(x, t) + \Delta \frac{\partial f(x, t)}{\partial x} + \frac{\Delta^2}{2!} \frac{\partial^2 f(x, t)}{\partial x^2} \ldots \text{ in inf.}Number densityDisplacement in one intervalTimeExplain this equation Diese Entwicklung können wir unter dem Integral vornehmen, da zu letzterem nur sehr kleine Werte von Δ\Delta etwas beitragen. Wir erhalten:f+∂f∂t⋅τ=f⋅∫−∞+∞φ(Δ)dΔ+∂f∂x∫−∞+∞Δφ(Δ)dΔ+∂2f∂x2∫−∞+∞Δ22φ(Δ)dΔ…\begin{aligned} f + \frac{\partial f}{\partial t} \cdot \tau = f \cdot \int_{-\infty}^{+\infty} \varphi(\Delta) d \Delta &+ \frac{\partial f}{\partial x} \int_{-\infty}^{+\infty} \Delta \varphi(\Delta) d \Delta \\ &+ \frac{\partial^2 f}{\partial x^2} \int_{-\infty}^{+\infty} \frac{\Delta^2}{2} \varphi(\Delta) d \Delta \ldots \end{aligned}Number densityTimeStep intervalJump densityDisplacement in one intervalExplain this equation Auf der rechten Seite verschwindet wegen φ(x)=φ(−x)\varphi(x) = \varphi(-x) das zweite, vierte etc. Glied, während von dem ersten, dritten, fünften etc. Gliede jedes folgende gegen das vorhergehende sehr klein ist. Wir erhalten aus dieser Gleichung, indem wir berücksichtigen, daß∫−∞+∞φ(Δ)dΔ=1,\int_{-\infty}^{+\infty} \varphi(\Delta) d \Delta = 1,Jump densityDisplacement in one intervalExplain this equation und indem wir1τ∫−∞+∞Δ22φ(Δ)dΔ=D\frac{1}{\tau} \int_{-\infty}^{+\infty} \frac{\Delta^2}{2} \varphi(\Delta) d \Delta = DStep intervalDisplacement in one intervalJump densityDiffusion coefficientExplain this equation setzen und nur das erste und dritte Glied der rechten Seite berücksichtigen:∂f∂t=D∂2f∂x2.\frac{\partial f}{\partial t} = D \frac{\partial^2 f}{\partial x^2}.Number densityTimeDiffusion coefficientExplain this equation

Explained in From a step law to a density law

[p. 558]Dies ist die bekannte Differentialgleichung der Diffusion, und man erkennt, daß DD der Diffusionskoeffizient ist.

Explained in From a step law to a density law

[p. 558]An diese Entwicklung läßt sich noch eine wichtige Überlegung anknüpfen. Wir haben angenommen, daß die einzelnen Teilchen alle auf dasselbe Koordinatensystem bezogen seien. Dies ist jedoch nicht nötig, da die Bewegungen der einzelnen Teilchen voneinander unabhängig sind. Wir wollen nun die Bewegung jedes Teilchens auf ein Koordinatensystem beziehen, dessen Ursprung mit der Lage des Schwerpunktes des betreffenden Teilchens zur Zeit t=0t = 0 zusammenfällt, mit dem Unterschiede, daß jetzt f(x,t)dxf(x, t) d x die Anzahl der Teilchen bedeutet, deren XX-Koordinaten von der Zeit t=0t = 0 bis zur Zeit t=tt = t um eine Größe gewachsen ist, welche zwischen xx und x+dxx + d x liegt. Auch in diesem Falle ändert sich also die Funktion ff gemäß Gleichung (1). Ferner muß offenbar für x≷0x \gtrless 0 und t=0t = 0f(x,t)=0und∫−∞+∞f(x,t)dx=nf(x, t) = 0 \quad \text{und} \quad \int_{-\infty}^{+\infty} f(x, t) d x = nNumber densityTimeParticle countExplain this equation sein. Das Problem, welches mit dem Problem der Diffusion von einem Punkte aus (unter Vernachlässigung der Wechselwirkung der diffundierenden Teilchen) übereinstimmt, ist nun mathematisch vollkommen bestimmt; seine Lösung ist:f(x,t)=n4πDe−x24Dtt.f(x, t) = \frac{n}{\sqrt{4 \pi D}} \frac{e^{-\frac{x^2}{4 D t}}}{\sqrt{t}}.Number densityTimeParticle countDiffusion coefficientExplain this equation

Explained in What the spreading curve predicts

[pp. 558–559]Die Häufigkeitsverteilung der in einer beliebigen Zeit tt erfolgten Lagenänderungen ist also dieselbe wie die der zufälligen Fehler, was zu vermuten war. Von Bedeutung aber ist, wie die Konstante im Exponenten mit dem Diffusionskoeffizienten zusammenhängt. Wir berechnen nun mit Hilfe dieser Gleichung die Verrückung λx\lambda_x in Richtung der XX-Achse, welche ein Teilchen im Mittel erfährt, oder — genauer ausgedrückt — die Wurzel aus dem arithmetischen Mittel der Quadrate der Verrückungen in Richtung der XX-Achse; es ist:λx=x2‾=2Dt.\lambda_x = \sqrt{\overline{x^2}} = \sqrt{2 D t}.Coordinate RMS displacementMean-square displacement (one dimension)Diffusion coefficientObservation intervalExplain this equation

Explained in What the spreading curve predicts and Zero average is not no movement

[p. 559]Die mittlere Verschiebung ist also proportional der Quadratwurzel aus der Zeit. Man kann leicht zeigen, daß die Wurzel aus dem Mittelwert der Quadrate der Gesamtverschiebungen der Teilchen den Wert λx3\lambda_x \sqrt{3} besitzt.

Explained in Why the square grows with time and Zero average is not no movement

[p. 559]§ 5. Formel für die mittlere Verschiebung suspendierter Teilchen. Eine neue Methode zur Bestimmung der wahren Größe der Atome.

[p. 559]In § 3 haben wir für den Diffusionskoeffizienten DD eines in einer Flüssigkeit in Form von kleinen Kugeln vom Radius PP suspendierten Stoffes den Wert gefunden:D=RTN16πkP.D = \frac{R T}{N} \frac{1}{6 \pi k P}.Diffusion coefficientGas constantAbsolute temperatureAvogadro's numberDynamic viscosityParticle radiusExplain this equation Ferner fanden wir in § 4 für den Mittelwert der Verschiebungen der Teilchen in Richtung der XX-Achse in der Zeit tt:λx=2Dt.\lambda_x = \sqrt{2 D t}.Coordinate RMS displacementDiffusion coefficientObservation intervalExplain this equation Durch Eliminieren von DD erhalten wir:λx=t⋅RTN13πkP.\lambda_x = \sqrt{t} \cdot \sqrt{\frac{R T}{N} \frac{1}{3 \pi k P}}.Coordinate RMS displacementObservation intervalGas constantAbsolute temperatureAvogadro's numberDynamic viscosityParticle radiusExplain this equation Diese Gleichung läßt erkennen, wie λx\lambda_x von TT, kk und PP abhängen muß.

Explained in Why viscosity changes the spread

[p. 559]Wir wollen berechnen, wie groß λx\lambda_x für eine Sekunde ist, wenn NN gemäß den Resultaten der kinetischen Gastheorie 6⋅10236 \cdot 10^{23} gesetzt wird; es sei als Flüssigkeit Wasser von 17° C. gewählt (k=1,35⋅10−2k = 1{,}35 \cdot 10^{-2}) und der Teilchendurchmesser sei 0,001 mm. Man erhält:λx=8⋅10−5 cm=0,8 Mikron.\lambda_x = 8 \cdot 10^{-5} \, \text{cm} = 0{,}8 \, \text{Mikron}.Coordinate RMS displacementExplain this equation Die mittlere Verschiebung in 1 Min. wäre also ca. 6 Mikron.

Explained in Why viscosity changes the spread and What would let us count molecules?

[p. 560]Umgekehrt läßt sich die gefundene Beziehung zur Bestimmung von NN benutzen. Man erhält:N=tλx2⋅RT3πkP.N = \frac{t}{\lambda_x^2} \cdot \frac{R T}{3 \pi k P}.Estimated Avogadro numberObservation intervalCoordinate RMS displacementGas constantAbsolute temperatureDynamic viscosityParticle radiusExplain this equation

Explained in What would let us count molecules?

[p. 560]Möge es bald einem Forscher gelingen, die hier aufgeworfene, für die Theorie der Wärme wichtige Frage zu entscheiden!

Explained in What would let us count molecules?

[p. 560]
Bern, Mai 1905.
[p. 560]
(Eingegangen 11. Mai 1905.)

Fußnoten

  1. 1) In diesem Paragraph sind die Arbeiten des Verfassers über die Grundlagen der Thermodynamik als bekannt vorausgesetzt (vgl. Ann. d. Phys. 9. p. 417. 1902; 11. p. 170. 1903). Für das Verständnis der Resultate der vorliegenden Arbeit ist die Kenntnis jener Arbeiten sowie dieses Paragraphen der vorliegenden Arbeit entbehrlich. ↩

    Explained in How molecular theory gives the osmotic law without solving the motion

  2. 1) A. Einstein, Ann. d. Phys. 11. p. 170. 1903. ↩

    Explained in How molecular theory gives the osmotic law without solving the motion

  3. 1) Vgl. z. B. G. Kirchhoff, Vorlesungen über Mechanik, 26. Vorlesung § 4. ↩

    Explained in Why viscosity changes the spread

Page 549 as printed in Annalen der Physik, volume 17.
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