Quelle
Zur Elektrodynamik bewegter Körper
Bern, Juni 1905.
Annalen der Physik (4) 17, 891–921 (1905).
[p. 892]I. Kinematischer Teil.
[p. 903]§ 4. Physikalische Bedeutung der erhaltenen Gleichungen, bewegte starre Körper und bewegte Uhren betreffend.
[p. 903]Wir betrachten eine starre Kugel[1)] vom Radius , welche relativ zum bewegten System ruht, und deren Mittelpunkt im Koordinatenursprung von liegt. Die Gleichung der Oberfläche dieser relativ zum System mit der Geschwindigkeit bewegten Kugel ist:Position in the moving systemPosition in the moving systemPosition in the moving systemSphere radiusExplain this equation Die Gleichung dieser Oberfläche ist in , , ausgedrückt zur Zeit :Position in the stationary systemSpeed of the moving systemSpeed of lightPosition in the stationary systemPosition in the stationary systemSphere radiusExplain this equation Ein starrer Körper, welcher in ruhendem Zustande ausgemessen die Gestalt einer Kugel hat, hat also in bewegtem Zustande — vom ruhenden System aus betrachtet — die Gestalt eines Rotationsellipsoides mit den AchsenSphere radiusSpeed of the moving systemSpeed of lightExplain this equation
Explained in Use the same measurement protocol
[p. 903]Während also die - und -Dimension der Kugel (also auch jedes starren Körpers von beliebiger Gestalt) durch die Bewegung nicht modifiziert erscheinen, erscheint die -Dimension im Verhältnis verkürzt, also um so stärker, je größer ist. Für schrumpfen alle bewegten Objekte — vom „ruhenden“ System aus betrachtet — in flächenhafte Gebilde zusammen. Für Überlichtgeschwindigkeiten werden unsere Überlegungen sinnlos; wir werden übrigens in den folgenden Betrachtungen finden, daß die Lichtgeschwindigkeit in unserer Theorie physikalisch die Rolle der unendlich großen Geschwindigkeiten spielt.
Explained in Use the same measurement protocol
[p. 903]Es ist klar, daß die gleichen Resultate von im „ruhenden“ System ruhenden Körpern gelten, welche von einem gleichförmig bewegten System aus betrachtet werden. —
Explained in Use the same measurement protocol
[pp. 903–904]Wir denken uns ferner eine der Uhren, welche relativ zum ruhenden System ruhend die Zeit , relativ zum bewegten System ruhend die Zeit anzugeben befähigt sind, im Koordinatenursprung von gelegen und so gerichtet, daß sie die Zeit angibt. Wie schnell geht diese Uhr, vom ruhenden System aus betrachtet?
Explained in Use the same measurement protocol
[p. 904]Zwischen die Größen , und , welche sich auf den Ort dieser Uhr beziehen, gelten offenbar die Gleichungen:Time in the moving systemSpeed of the moving systemSpeed of lightTime in the stationary systemPosition in the stationary systemExplain this equation undPosition in the stationary systemSpeed of the moving systemTime in the stationary systemExplain this equation Es ist alsoTime in the moving systemTime in the stationary systemSpeed of the moving systemSpeed of lightExplain this equation woraus folgt, daß die Angabe der Uhr (im ruhenden System betrachtet) pro Sekunde um Sek. oder — bis auf Größen vierter und höherer Ordnung um Sek. zurückbleibt.
Explained in Use the same measurement protocol
[p. 904]Hieraus ergibt sich folgende eigentümliche Konsequenz. Sind in den Punkten und von ruhende, im ruhenden System betrachtet, synchron gehende Uhren vorhanden, und bewegt man die Uhr in mit der Geschwindigkeit auf der Verbindungslinie nach , so gehen nach Ankunft dieser Uhr in die beiden Uhren nicht mehr synchron, sondern die von nach bewegte Uhr geht gegenüber der von Anfang an in befindlichen um Sek. (bis auf Größen vierter und höherer Ordnung) nach, wenn die Zeit ist, welche die Uhr von nach braucht.
Explained in A reunion compares whole paths
[p. 904]Man sieht sofort, daß dies Resultat auch dann noch gilt, wenn die Uhr in einer beliebigen polygonalen Linie sich von nach bewegt, und zwar auch dann, wenn die Punkte und zusammenfallen.
Explained in A reunion compares whole paths
[pp. 904–905]Nimmt man an, daß das für eine polygonale Linie bewiesene Resultat auch für eine stetig gekrümmte Kurve gelte, so erhält man den Satz: Befinden sich in zwei synchron gehende Uhren und bewegt man die eine derselben auf einer geschlossenen Kurve mit konstanter Geschwindigkeit, bis sie wieder nach zurückkommt, was Sek. dauern möge, so geht die letztere Uhr bei ihrer Ankunft in gegenüber der unbewegt gebliebenen um Sek. nach. Man schließt daraus, daß eine am Erdäquator befindliche Unruhuhr um einen sehr kleinen Betrag langsamer laufen muß als eine genau gleich beschaffene, sonst gleichen Bedingungen unterworfene, an einem Erdpole befindliche Uhr.
Explained in A reunion compares whole paths
[p. 907]II. Eektrodynamischer Teil.
Fußnoten
- 1) Das heißt einen Körper, welcher ruhend untersucht Kugelgestalt besitzt. ↩
Explained in Use the same measurement protocol
